Bewertung von Leasinganlagen 

Einsatzmöglichkeiten

Geleaste Anlagen erfordern beim Leasingnehmer gegenüber den sonstigen Anlagenarten eine besondere buchhalterische Behandlung, da sie rechtlich während der Leasingdauer im Eigentum des Leasinggebers bzw. Herstellers bleiben. Sie stellen somit dem Grunde nach eine Sonderform gemieteter Anlagen dar. Diese werden handels- und steuerrechtlich dem Vermieter zugeordnet und sind deshalb grundsätzlich nicht relevant für die Bewertung des Anlagevermögens des Mieters. Wegen des Finanzierungscharakters von manchen Leasingverträgen besteht jedoch dennoch in verschiedenen Ländern die Verpflichtung, geleaste Anlagen im Anlagevermögen des Leasingnehmers zu aktivieren.

Die Komponente Leasingabwicklung ermöglicht es, geleaste Anlagen mit Hilfe des Capital-Lease-Verfahrens zu aktivieren. Als Anschaffungswert berechnet das System dabei den Barwert der zukünftigen Zahlungsbelastungen im Rahmen des jeweiligen Leasingvertrages.

Funktionsumfang

Geleaste Anlagen können im System unterschiedlich bewertet werden. Je nach gesetzlichen Rahmenbedingungen und Vertragskonditionen können geleaste Anlagen

Diese Anlagen sind handels-/steuerrechlich für das Anlagevermögen des Leasingnehmers nicht relevant. Es ist deshalb ausreichend, sie

Alle geleasten Anlagen können mit Hilfe eines speziellen Reports hinsichtlich ihrer Mietverbindlichkeiten ausgewertet werden (siehe unten).

Daneben ist es auch bei rein statistisch geführten Leasinganlagen (ohne Bewertungsbereiche) möglich, im Anlagenstammsatz manuell einen Versicherungwert und eine Indexreihe für die Indizierung dieses Wertes zu hinterlegen. Mit Hilfe der Standardauswertung für Versicherungswerte lassen sich diese Werte auswerten.

Capital-Lease-Verfahren

Aktivierungspflichtige Leasinganlagen können Sie in der Anlagenbuchhaltung mit Hilfe des Capital-Lease-Verfahrens aktivieren. Als Anschaffungswert berechnet das System dabei den Barwert der zukünftigen Zahlungsbelastungen im Rahmen des jeweiligen Leasingvertrages. Für die Ermittlung der zukünftigen Zahlungslast müssen folgende Leasingkonditionen in den entsprechenden Anlagenstammsätzen gepflegt sein:

Für die Berechnung des Barwertes müssen Sie außerdem einen Zinssatz angeben. Die Zugangsbuchung (Eröffnungsbuchung) erfordert als Kreditor einen Vertragspartner im Anlagenstammsatz.

Das Capital-Lease-Verfahren kann derzeit nur bei handelsrechtlich aktiven Anlagen eingesetzt werden. Bei Anlagen, die nur kalkulatorische Bewertungsbereiche führen, ist die entsprechende Eröffnungsbuchung mit gleichzeitigem Erzeugen der Leasingverbindlichkeiten nicht möglich.

Vorsteuerbehandlung beim Capital-Lease-Verfahren

Da auf einer Leasinganlage nur der Nettobetrag der Verbindlichkeiten (d.h. ohne Vorsteuer) in die Barwertermittlung eingehen darf, müssen Sie die Leasingraten netto im Anlagenstammsatz angeben.

Setzen Sie bitte außerdem in der jeweiligen Leasingart (siehe unten) das Vorsteuerkennzeichen V0 (keine Vorsteuer). Auf diese Weise ist sichergestellt, daß zum Aktivierungszeitpunkt noch keine Vorsteuerbuchung erfolgt. Buchen Sie die Vorsteuer stattdessen erst zum Zahlungszeitpunkt direkt im System FI (Vorsteuer an Kreditor).

Leasingart

Im Anlagen-Customizing können Sie Ihre Leasingarten definieren. Die Leasingart ist Selektionskriterium im Reporting und das wichtigste Steuerungsmerkmal für die Zugangsbuchung zu einer Leasinganlage. Über sie ist folgendes festgelegt:

Durch das Aktiv- bzw. Inaktivsetzen der jeweiligen Mitbuchbereiche in den entsprechenden Leasing-Anlagenklassen legen Sie fest, ob der Zugang von Leasinganlagen auf Hauptbuchkonten gebucht werden soll. Die zu bebuchenden Konten ermittelt das System auch bei Leasinganlagen über die Kontenzuordnung der entsprechenden Anlagenklasse

Wenn Sie die geleasten Anlagen nicht aktivieren möchten, können Sie die Anschaffungswerte trotzdem in kalkulatorischen Bewertungsbereichen führen. Setzen Sie in der Anlagenklasse der betroffenen Anlagen nur die betroffenen kalkulatorischen Bewertungsbereiche aktiv (Mitbuchbereich: inaktiv). Auf diese Weise erfolgt beim Zugang keine Buchung in die Finanzbuchhaltung. Die periodischen Abschreibungen in den aktiven Bereichen können Sie trotzdem für kalkulatorische Zwecke verwenden.

Grafik: Operating-Lease-Verfahren

In einigen Ländern müssen Leasinganlagen auch handels- bzw. steuerrechtlich aktiviert werden. In diesem Fall müssen die Leasinganlagen auch im Mitbuchbereich (i.d.R. der handelsrechtliche Bereich) geführt werden. Setzen Sie deshalb den Mitbuchbereich in den entsprechenden Leasing-Anlagenklassen aktiv. Zusätzlich sind bei den betroffenen Leasingarten Angaben für die FI-Buchung zu hinterlegen.

Bei der Zugangsbuchung aktiviert das System die Anlage mit dem berechneten Barwert. Als Verbindlichkeit werden auf den Kreditor die entsprechenden Zahlungsraten mit fristgerechten Fälligkeiten gebucht. Als Kreditor ermittelt das System den im jeweiligen Anlagenstammsatz hinterlegten Vertragspartner.

Grafik: Capital-Lease-Verfahren

Abweichend von der vorhergehenden Abbildung wird in manchen Ländern (z.B. U.S.A.) nur der Barwert als Verbindlichkeit gebucht. Dies bedeutet, daß der Zinsanteil, der im obigen Fall aus der Differenz zwischen Kreditorverbindlichkeit und Barwert entsteht, nicht getrennt auszuweisen ist. In diesem Fall müssen Sie das Verrechnungskonto für den Zinsanteil und das entsprechende Kreditorenkonto auf dieselbe Bilanzposition steuern.

Periodische Buchungen

Die Abschreibung der Leasinganlagen und die Auflösung des Zinsanteils erfolgt mit dem Buchungsprogramm für Abschreibungen. Prinzipiell können Sie jeden beliebigen Abschreibungsschlüssel verwenden. SAP liefert standardmäßig einen speziellen Abschreibungsschlüssel aus, dessen Abschreibungsbeträge dem Barwert der periodischen Zahlungsbeträge entsprechen (LEAS). Die Zinsen ergeben sich bei diesem Schlüssel als Differenz aus Zahlungsbetrag und Barwert des Zahlungsbetrages.

Barwertberechnung

Der Barwert der Leasinganlage wird aus folgenden Angaben errechnet:

g : Zahlungsbetrag

i : Jahreszinssatz

n : Anzahl Leasingzahlungen

r : Zahlungsweise (z.B. 3 = vierteljährlich, 6 = halbjährlich)

m : Anzahl Perioden im Jahr

q : Periodenzinsfaktor = 1 + (i / 100 * r / m)

Der Barwert bei vorschüssiger Zahlungsweise ergibt sich dann aus folgender Formel:

Barwert = g + g * q** (n-1) - 1 / (q**n-1 * (q - 1))

Bei nachschüssiger Zahlungsweise errechnet sich der Barwert hingegen wie folgt:

Barwert = g * (q**n - 1) / (q**n * (q - 1))

Beispiel

g: 100 DM

i: 10,000 %

n: 20

r: 3

m: 12

q: 1 + (10,000 / 100 * 3 / 12) = 1,025

Barwert vorschüssig :

100 + 100 * (1,025**19 - 1) / (1,025**19 * (1,025 - 1)) = 1597,89

Barwert nachschüssig:

100 * (1,025**20 - 1) / (1,025**20 * ( 1,025 - 1)) = 1558,92

Auswertungen

Für die Ermittlung der zukünftigen Leasingverbindlichkeiten (insbesondere bei nicht aktivierten Leasinganlagen) steht ein Standardreport zur Verfügung. Dieser Report zeigt je Leasinganlage

Auf Wunsch wird eine Summenliste erstellt mit den kumulierten Werten je Geschäftsjahr und je Buchungskreis. Für die Auswertung ist es erforderlich, daß folgende Leasingvertragskonditionen in den Stammsätzen der entsprechenden Anlagen gepflegt sind:

Mit Hilfe des Kennzeichens AHK nach Zugangsjahre ist es möglich, die theoretischen Anschaffungswerte der Leasinganlagen pro Zugangsjahr auszugeben. Dieser statistische Nachweis ist in verschiedenen Ländern für die Rechnungslegung erforderlich. Das System verwendet hierbei den Basisneuwert, der im Anlagenstammsatz bei den Leasingvertragsdaten hinterlegt ist. Das Zugangsjahr wird aus dem Beginndatum des Leasingvertrages ermittelt.

Einführungshinweise

Allgemeine Hinweise

Wenn Sie aktivierte, geleaste Anlagen im System führen möchten, müssen Sie folgendes beachten: