Verwendung
Das Prinzip der Stichprobeninventur beruht darauf, daß die Zählergebnisse der zufällig ausgelosten Bestandseinheiten auf alle Bestandseinheiten des Stichprobenraums hochgerechnet werden. Außerdem werden die Zählergebnisse des Vollerhebungsraums zur Gesamtberechnung hinzugezogen. Aus beiden Ergebnissen ermittelt das System einen Schätzwert für die Lagergesamtheit der Stichprobeninventur.
Funktionsumfang
Arten der Hochrechnung
Es werden zwei Arten von Hochrechnungen unterschieden:

Eine vorläufige Hochrechnung kann den Status Aktiv (Abschluß bedingt erfolgreich) erhalten, wenn der relative statistische Fehler und die maximal zulässige Abweichung zwischen Buchwert und Schätzwert bereits unter der festgelegten Grenze liegen, obwohl noch nicht alle Bestandseinheiten, die für eine physische Aufnahme gewählt wurden, gezählt und gebucht sind. In diesem Fall muß der Wirtschaftsprüfer entscheiden, ob die Stichprobeninventur schon in diesem Stadium akzeptiert wird. Eine Stichprobeninventur mit dem Status Aktiv (bedingt erfolgreich) können Sie manuell abschließen, wenn die Kriterien für einen erfolgreichen Abschluß der Stichprobeninventur ausreichen.
Verfahren der Hochrechnung
Für die Hochrechnung sind verschiedene mathematische Verfahren möglich; zur Zeit unterstützt das SAP-System das Verfahren der geschichteten Mittelwertschätzung.
Bei der geschichteten Mittelwertschätzung werden auf Grund der Werte der gebuchten Stichprobenelemente folgende Rechnungen durchgeführt:
Das folgende Beispiel zeigt die Berechnung nach der geschichteten Mittelwertschätzung.

Zu einer Stichprobeninventur soll die Hochrechnung durchgeführt werden. Der Stichprobenraum besteht aus zwei Schichten; die folgende Tabelle zeigt die Bestandssituation der Schichten und des Vollerhebungsraums.
Die Lagergesamtheit einer Stichprobeninventur
|
Buchwert |
Istwert | |
Schicht 1 Werte von 100,01 bis 150 |
||
A |
110 |
109 |
B |
140 |
135 |
C |
135 |
|
D |
125 |
122 |
E |
150 |
150 |
F |
120 |
|
Summe |
780 |
516 |
Schicht 2 Werte von 150,01 bis 220 |
||
G |
201 |
|
H |
209 |
202 |
I |
207 |
205 |
K |
204 |
202 |
L |
199 |
|
Summe |
1020 |
609 |
Vollerhebungsraum Werte über 220 |
||
M |
230 |
230 |
N |
230 |
230 |
O |
250 |
250 |
P |
240 |
240 |
Summe |
950 |
950 |
In der Schicht 1 beträgt der Istwert der gezählten Bestandseinheiten insgesamt 516. Der mittlere Istwert ist 516 : 4 = 129. Da die gesamte Schicht aus 6 Bestandseinheiten besteht, wird der Istwert mit
129 * 6 = 774 geschätzt. Für die gezählten Elemente wurden Inventurdifferenzen gebucht; damit ist der korrigierte Buchwert der Schicht 771 (= 516 + 135 + 120). Es liegt also eine Abweichung zwischen korrigiertem Buchwert und Schätzwert von 3 vor.
Die entsprechende Berechnung ergibt in der Schicht 2 einen korrigierten Buchwert von 1009 (= 609 + 201 + 199) und einen geschätzten Istwert von 1015 (= 609 : 3 * 5).
Der korrigierte Buchwert der Lagergesamtheit beträgt 2730 (= 771 + 1009 + 950); der geschätzte Istwert ergibt 2739 (= 774 + 1015 + 950). Also liegt eine Abweichung zwischen korrigiertem Buchwert und Schätzwert von 9 vor. Die relative Abweichung beträgt 9 : 2730 = 0,33 %.
Status und Güte der Stichprobeninventur
Eine Stichprobeninventur kann folgende Status annehmen:
Mit der Durchführung der abschließenden Hochrechnung wird eine Stichprobeninventur als erfolgreich oder als nicht erfolgreich eingestuft. Im Falle der vorläufigen Hochrechnung kann die Stichprobeninventur als bedingt erfolgreich eingestuft werden.
Abhängig ist diese Einstufung in (bedingt) erfolgreich oder nicht erfolgreich von den folgenden zwei Kriterien:
Das System prüft, ob mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, daß die mögliche Abweichung zwischen Schätzwert und tatsächlichem (nicht bekanntem) Istwert sehr klein ist.
Das System prüft, ob die Abweichung zwischen Schätzwert und Buchwert gering ist.
Stichprobeninventur nicht erfolgreich, aber das System fordert keine Nacherhebung
Es kann vorkommen, daß bei der Aktualisierung einer Stichprobeninventur keine weitere Nacherhebung vorgeschlagen wird. Trotzdem ist der relative statistische Fehler größer als in den Parametern, die am Anfang vorgegeben wurden. Dadurch hat diese Stichprobeninventur bei endgültiger Hochrechnung den Status nicht erfolgreich. Diese Konstellation hat folgende Ursache:
Die letzte Stichprobenschicht mit den wertmäßig höchsten Materialien wurde aufgrund einer hohen Varianz voll erhoben. Obwohl diese Schicht damit zum Vollerhebungsraum zählt, wird ihr statistischer Fehler dem Stichprobenraum zugeordnet. Dadurch wird der relative statistische Fehler größer als zulässig. Eine Nacherhebung ist aber nicht möglich, weil bereits alle Materialien der letzten Schicht erhoben wurden. Diese Situation kann man nur vermeiden, wenn man bei der Schichteinteilung und Zufallsauswahl auf optimale Werte achtet.
Vorgegebene Statistische Parameter
Beim Anlegen einer Stichprobeninventur legen Sie durch die folgenden Parameter fest, welche statistischen Abweichungen die Stichprobeninventur höchstens aufweisen darf, um als erfolgreich angesehen zu werden.
Das folgende Beispiel verdeutlicht die Bedeutung der Parameter:

Sie haben die statistischen Parameter folgendermaßen eingestellt:
Sicherheitswahrscheinlichkeit 95,00 %
Relativer statistischer Fehler 1,00 %
Relative Abweichung Buch- zu Istwert 2,00 %
Eine Stichprobeninventur ist dann erfolgreich abgeschlossen, wenn
Aktivitäten
Hochrechnung bilden
Die Vorgehensweise zum Erstellen einer Hochrechnung ist unabhängig davon, ob die Hochrechnung vorläufig oder abschließend ist.
Um die Hochrechnung zu bilden, gehen Sie folgendermaßen vor:
Vorläufige Hochrechnung wurde durchgeführt
oder
Abschließende Hochrechnung wurde durchgeführt
Bei der abschließenden Hochrechnung wird der Status der Stichprobeninventur geändert auf
Abschluß erfolgreich
oder
Abschluß nicht erfolgreich
Bei der vorläufigen Hochrechnung ändert sich der Status der Stichprobeninventur in Abhängigkeit des relativen statistischen Fehlers bezogen auf den Gesamtraum auf
Abschluß bedingt erfolgreich
Sichern Sie die Änderung der Stichprobeninventur.
Hochrechnung anzeigen
Um sich das Ergebnis der Hochrechnung anzusehen, wählen Sie Springen ® Liste ® Hochrechnung. Sie erhalten eine Auflistung der Berechnungen.
Nach den einzelnen Schichten wird zunächst das Hochrechnungsergebnis für den gesamten Stichprobenraum und anschließend das für den Vollerhebungsraum angezeigt. Am Ende steht das Ergebnis für den Gesamtraum mit der relativen Abweichung und dem relativen statistischen Fehler. Da im Beispiel die relative Abweichung und der relative statistische Fehler kleiner sind als vorgegeben, ist die Stichprobeninventur erfolgreich.
Mit der abschließenden Hochrechnung ist die Stichprobeninventur beendet.