Risikohierarchie 

Das Marktrisiko einer Unternehmung bzw. eines Kreditinstituts resultiert aus dem Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren. So beeinflussen beispielsweise Zinsänderungen, Wechselkurs- oder Aktienkursschwankungen den Wert des Finanzvermögens des Unternehmens. Das Marktrisiko stellt den potentiellen Verlust aufgrund von Marktpreisschwankungen dar und kann so als Kennzahl verwendet werden, um Aussagen über die notwendige Eigenkapitaldeckung des Unternehmens, die Limitierung von Positionen oder die gewünschte Mindestrendite des Portfolios zu treffen.

Definition

Für eine weitergehende Steuerung und Kontrolle ist die Aufspaltung des Marktrisikos in seine Einflußgrößen erforderlich. Dabei erfolgt eine Zerlegung des Marktrisikos in folgende Risikokategorien:

Jede Risikokategorie kann ihrerseits in bestimmte Teilrisiken unterteilt werden. Im Zinsbereich existieren Teilmärkte für Swaps, Renten, Geldmarktgeschäfte usw. und für diese Teilmärkte korrespondierende Teilrisiken. Die Teilrisiken sind in der Regel für jeden Währungsraum unterschiedlich.

In der Risikohierarchie wird die Dekomposition (Aufsplittung) des Marktrisikos in seine Komponenten definiert. Die Basis der Risikohierarchie bilden die Risikofaktoren. Ein Risikofaktor läßt sich per Definition nicht in weitere Bestandteile zerlegen. Die Risikofaktoren stellen gleichzeitig auch die preisbildenden Elemente für die Instrumente des Portfolios dar.

Im Zinsbereich werden die Key-Rates als Risikofaktoren definiert. Die Idee der Key-Rates besteht darin, den zeitlichen Verlauf der Zinsstrukturkurve über Zinssätze für einige ausgewiesene Laufzeiten zu definieren, wobei die Key-Rates als Zerocouponsätze modelliert werden. Die Zinssätze für die übrigen Laufzeiten werden direkt aus den Key-Rates ermittelt. Da die Key-Rates implizit durch die Auswahl der Zinsstruktur festgelegt sind, ist es nicht unbedingt erforderlich, die Key-Rates einer Zinsstruktur explizit in der Risikohierarchie zu definieren. Dies geschieht nur für die Fälle, in denen eine Auswertung für die in der Risikohierarchie definierten Key-Rates gewünscht wird.

Im Falle von Aktien wird der Aktienkurs auf einen Marktindex abgebildet. Dabei wird angenommen, daß die Kursentwicklung der Aktie direkt vom Marktindex abhängt.

 

Verwendung

Risikohierarchie ermöglichen bei Auswertungen eine detaillierte Darstellung des Einflusses der verschiedenen Risikofaktoren. Die in der Risikohierarchie definierten Risiken werden in den Auswertungen ausgewiesen.

Struktur

Jede Ebene der Risikohierarchie wird als Konsolidierungsstufe bezeichnet. Das Marktrisiko ist demnach die Konsolidierungsstufe, die an der Spitze der Risikohierarchie steht.

Die Risikohierarchie wird ausgehend vom Marktrisiko hin zu den Risikofaktoren aufgebaut. Die Komposition ist vom Anwender durch eine Struktur vorzugeben.

Auf einer oberen Ebene werden die Risiken auf die Risikokategorien aufgeteilt. Die Aggregation der Risiken, ausgehend von den Risikofaktoren bis hin zum Marktrisiko, ist dabei in der Regel nicht additiv, da die Risiken in der Realität sich gegenseitig beeinflussen. Eine additive Verknüpfung der einzelnen Risikofaktoren ist daher nur eine vereinfachende Annahme zur Untersuchung der isolierten Einflüsse der Risikofaktoren. Im R/3-System stehen Ihnen daher auf jeder Konsolidierungsstufe folgende Aggregationstypen zur Verfügung:

Das Risiko auf einer Risikohierarchiestufe ergibt sich durch Addition der Risiken der darunterliegenden Risikohierarchiestufen.

Das Risiko auf einer Risikohierarchiestufe ergibt sich durch Addition der absoluten Risiken der darunterliegenden Risikohierarchiestufen. Durch Beachtung der Absolutbeträge wird hiermit der Worst-Case-Fall abgebildet.

Auf einer Risikohierarchiestufe werden die Risiken für alle darunterliegenden Risikohierarchiestufen getrennt nach positiven und negativen Beträgen addiert. Der betragsmäßig größere der beiden Werte stellt das Risiko der Hierarchiestufe als positiven Wert dar.

Das Risiko auf einer Risikohierarchiestufe ergibt sich aus den Risiken der darunterliegenden Risikohierarchiestufen, die unter Berücksichtigung ihrer Wechselwirkungen, d.h. ihrer Korrelationen, verknüpft werden.