Definition
Wenn die primäre (produktive) Datenbank auf eine nichtproduktive Datenbank dupliziert wird, sprechen wir von einer Standby-Datenbank. Diese ist nicht geöffnet (Mount-Zustand) und nur als Recovery-System vorgesehen.
Verwendung
Ziel dieser Konfiguration ist, eventuelle Ausfallzeiten der primären Datenbank zu minimieren. Wenn eine Wiederherstellung des primären Datenbanksystems erforderlich sein sollte (z.B. nach einem Medienfehler), übernimmt die Standby-Instanz in kürzester Zeit die Funktionen der primären Instanz (‘Take-Over’). Dazu wird der Recovery-Modus der Standby-Instanz beendet und die Standby-Datenbank für den Online-Betrieb geöffnet. Nach dem Take-Over muß erneut eine Standby-Datenbank aufgebaut werden (üblicherweise auf dem ehemals primären Rechner).
Struktur

Auf zwei identisch konfigurierten Rechnern werden zwei identisch konfigurierte Datenbanken betrieben. Die primäre (produktive) Oracle-Instanz befindet sich auf dem ersten Rechner; die Datenbank ist offen und für alle SQL-Anfragen des R/3-Systems voll verfügbar. Das primäre Datenbanksystem ist also das System, das alle Datenbankanforderungen direkt ausführt.
Die Standby-Oracle-Instanz auf dem zweiten Rechner ist im Mount-Standby-Zustand (nicht geöffnet!). Sie beobachtet und dupliziert kontinuierlich den Zustand der primären Instanz und wird ständig wiederhergestellt, d.h. die Standby-Instanz zieht alle Änderungen an den Daten der primären Instanz sofort oder mit einer kleinen Verzögerung nach. Dazu werden die im primären Datenbanksystem erzeugten Offline-Redo-Log-Dateien (allerdings nur die von Oracle bereits archivierten) eingelesen.
Im Recovery-Fall sollten Sie zuerst die noch fehlenden Offline-Redo-Log-Dateien von der primären Instanz einspielen. Anschließend können Sie mit dem Oracle-Befehl ALTER SYSTEM ARCHIVE LOG CURRENT die aktuelle Online-Redo-Log-Datei der primären Instanz archivieren und auch diese Redo-Einträge in die Standby-Instanz einspielen. Sollte die Anwendung dieses Befehls scheitern, kann die aktuelle Online-Redo-Log-Datei auf den Standby-Rechner kopiert werden. Möglicherweise gelingt es, die Redo-Einträge aus der Online-Redo-Log-Datei direkt einzuspielen.

Änderungen an der physischen Struktur der primären Datenbank (Hinzufügen neuer Dateien, Umbenennen von Dateien, Änderungen an Online-Redo-Log- und Steuerdateien) werden nicht in jedem Fall automatisch in der Standby-Datenbank nachgezogen. In diesem Fall wird der Recovery-Prozeß gestoppt; der DBA muß die Strukturänderung in der Standby-Datenbank manuell nachziehen und anschließend den Recovery-Prozeß neu starten.

Wenn in der primären Datenbank Befehle mit der UNRECOVERABLE-Option ausgeführt werden, erscheinen diese Änderungen nicht in den Redo-Log-Dateien. Daher kann die Standby-Instanz keinerlei Informationen über solche Änderungen erhalten. In diesem Fall erscheinen während des Recovery-Prozesses keine Fehlermeldungen. Diese werden jedoch in der ALERT-Datei der Standby-Datenbank aufgezeichnet, die deshalb regelmäßig überprüft werden sollte.
Integration
Mit Einsatz von Version 7.3 wird die Standby-Datenbank offiziell von Oracle unterstützt. In der Oracle-Dokumentation werden die neuen und/ oder geänderten SQL- und SVRMGR-Befehle sowie die erforderlichen
init.ora -Parameter beschrieben, die für den Betrieb einer Standby-Datenbank erforderlich sind.Kunden, die auf eigene Verantwortung die Standby-Datenbank einsetzen wollen, können von den SAP-Dienstprogrammen BRBACKUP/ BRARCHIVE unterstützt werden.
Standby-Datenbanken: Bewertung Standby-Datenbank: Unterstützung durch BRARCHIVE Standby-Datenbank: Sicherung mit BRBACKUP