Die Leistungsartenplanung 

Verwendung

In der Regel erbringt jede Kostenstelle einen Anteil am Leistungsprozeß des Gesamtunternehmens. Eine Ausnahme bilden Kostenstellen, die ausschließlich für Verrechnungszwecke angelegt wurden.

Dieser Anteil am Leistungsprozeß kann je nach Art der Kostenstelle in Form einer oder mehrerer Leistungsarten quantifiziert werden. Leistungsarten sind als Synonym zu dem in der betriebswirtschaftlichen Literatur verwendeten Begriff der Bezugsgröße zu sehen.

Leistungsarten beschreiben den mengenmäßigen Output einer Kostenstelle. Die Planleistungen der Fertigungs- und Hilfskostenstellen müssen insbesondere mit dem Produktionsplan der Logistik (er bestimmt die erforderliche Planleistung sowie die geplante Kapazität) abgestimmt werden.

Leistungsarten dienen letztendlich der Leistungskontrolle auf den Kostenstellen, da hierüber der Beschäftigungs- oder Nutzungsgrad einer Kostenstelle gemessen werden kann.

Im folgenden wird die Planung quantifizierbarer Leistungen beschrieben. Diese können Sie im Ist erfassen bzw. zurückmelden. Durch die Bewertung mit dem iterativ ermittelten oder dem manuell gesetzten Tarif führen sie zu sekundären Kosten auf den Empfängern (z.B. Kostenstellen oder Aufträgen).

Fertigungskostenstellen können ihren Anteil am Leistungsprozeß in der Regel genau quantifizieren. Die Kostenstelle Fertigung HF1 4210 fertigt Halbfabrikateteile für die vom Unternehmen produzierten und am Markt abgesetzten Maschinen. Hierfür erbringt sie die Leistungen "Drehen" und "Schweißen". Diese Leistungen können genau quantifiziert und gemessen werden, so daß jedes Halbfabrikateteil genau 30 Minuten gedreht und 5 Minuten geschweißt wird. Demzufolge kann die Leistung dieser Fertigungskostenstelle mit den Leistungsarten "Drehminuten" und "Schweißminuten" quantifiziert werden.

Verwaltungskostenstellen können ihren Anteil am Leistungsprozeß in der Regel nicht in der gleichen Weise quantifizieren wie die Fertigungskostenstellen. Die Personalkostenstelle stellt beispielsweise Mitarbeiter für die Fertigung ein, führt die Lohnabrechnungen durch, führt Personalgespräche. Auf dieser Kostenstelle werden sehr viele administrative Tätigkeiten durchgeführt, die nicht direkt in bezug auf die am Markt abgesetzten Endprodukte (=Kostenträger) quantifiziert werden können.

Neben der manuellen Planung von Leistungen, steht Ihnen mit der indirekten Leistungsverrechnung ein Werkzeug zur maschinellen Planung von Leistungen zur Verfügung (siehe: Die indirekte Leistungsverrechnung).

Integration

In der Kostenstellenrechnung können die Leistungsarten anhand der Größen Planleistung, Kapazität, Ausbringungsmenge, Tarif und Äquivalenzziffer eindeutig definiert werden.

Der Tarif kann entweder

Darüber hinaus können Sie den Vorschlagswert des Leistungsartentyps (siehe Leistungsartentyp) aus dem Leistungsartenstammsatz an dieser Stelle überschreiben. Das SAP-R/3-System sichert den neuen Leistungsartentyp in dem Geschäftsjahr und der Version, in der Sie gerade planen.

Leistungsartenplanung und Plantarifermittlung

Falls Sie eine iterative Tarifermittlung durchführen möchten, müssen Sie bei der Planung Ihrer Leistungsarten das Tarifkennzeichen entsprechend einstellen. Voraussetzung hierfür ist, daß Sie ein Planungslayout für die Leistungsartenplanung ausgewählt haben, welches das Attribut Tarifkennzeichen als eingabebereites Feld enthält. Dies ist z.B. mit dem Standard-Planungslayout 1-102 im Standard-Planerprofil SAP101 möglich (siehe: Standard-Planungslayouts). Der Vorschlagswert für das Tarifkennzeichen, der aus dem Leistungsartenstamm herangezogen wird, ist im Standardsystem so eingestellt, daß eine iterative Tarifermittlung auf Basis der Planleistung durchgeführt wird (siehe Tarifkennzeichen).

Sie können auch weiterhin Tarife manuell pro Kostenstelle/Leistungsart setzen. Dieser Fall tritt z.B. dann ein, wenn Sie Preise, die dem Unternehmen vorgegeben werden und die unbeeinflußt von den innerbetrieblichen Leistungsbeziehungen bleiben sollen, in die Berechnung der Kostensätze aufnehmen möchten. Haben Sie jedoch das Tarifkennzeichen '1', Tarifermittlung auf Basis der Planleistung, eingestellt, erfolgt die Verrechnung Ihrer Leistungen mit dem iterativen Tarif. Weitere Informationen zur Tarifermittlung finden Sie in Die Plantarifermittlung.

Leistungsartenplanung und Fixkostenvorverteilung

Wenn Sie eine auf Grenzkosten basierende Plankostenrechnung durchführen, werden Sie die fixen Kosten nicht proportional zur Beschäftigung in die Verrechnungssätze einbeziehen, sondern mit der Fixkostenvorverteilung ( Siehe auch: Fixkostenvorverteilung) sicherstellen, daß die fixen Kosten den leistungsaufnehmenden Kostenstellen belastet werden. In der Leistungsartenplanung haben Sie die Möglichkeit, den Vorschlagswert zum Kennzeichen fixkostenvorverteilt aus dem Leistungsartenstamm zu überschreiben, falls Sie dieses Attribut in Ihr Planungslayout aufnehmen. Dieses Kennzeichen steuert, ob die fixen Kosten, d.h. die Kosten, die zur Bereitstellung einer Leistung angefallen sind, auf die Kostenstellen, die diese Leistung aufnehmen, vorverteilt werden oder nicht.

Funktionsumfang

Bei der Leistungsartenplanung erzeugt das SAP-R/3-System immer auf der Basis der geplanten Leistungsmenge einer Leistungsart und dem zugehörigen Tarif auf der betreffenden Kostenstelle einen Entlastungssatz (unbestimmte Entlastung), der mit einer sekundären Kostenart gebucht wird. Sie können den Vorschlagswert dieser Kostenart im Leistungsartenstammsatz hinterlegen und pro Kostenstelle nochmals überschreiben. Durch die unbestimmte Entlastung wird erreicht, daß die Senderkostenstelle unabhängig von den geplanten Leistungsaufnahmen im Plan vollständig entlastet wird.

Im Kostenstellenbericht zeigt das System eine Entlastung der betreffenden Kostenstelle an, auch wenn noch keine Leistungsaufnahme verbucht wurde.

Bei jeder Leistungsaufnahme vermindert das System den unbestimmten Entlastungssatz auf dem Sender um die aufgenommene Leistungsmenge.

Bei einer abgestimmten Planung (geplante Leistungsmenge = Summe der Leistungsaufnahmen) ist der unbestimmte Entlastungssatz sowohl mengen- als auch wertmäßig gleich Null.

Die Größen Planleistung und Kapazität werden zur iterativen Tarifermittlung verwendet und können auch im Informationssystem analysiert werden. Neben den o.g. Größen planen Sie für jede Leistungsart auch eine Äquivalenzziffer. Äquivalenzziffern sind Gewichtungsfaktoren, die zur Aufteilung der leistungsunabhängig geplanten Kosten auf die Leistungsarten herangezogen werden. Die so aufgeteilten leistungsunabhängig geplanten Kosten gehen ebenfalls in die iterative Tarifermittlung ein. Lesen Sie zu Äquivalenziffern auch Die Plantarifermittlung.

Äquivalenzziffern können Sie pro Periode definieren. Im Übersichtsbild der Leistungsartenplanung werden Durchschnittswerte angezeigt.

Wenn Sie zunächst eine Planung für einen Teil des Geschäftsjahres planen, setzt das System die Äquivalenzziffern in den nicht gepanten Perioden auf Null. Sie sollten daher die Werte der Äquivalenzziffern immer im Periodenbld prüfen.

Sie können die Äquivalenzziffern folgendermaßen variieren:

  1. Die gleiche Äquivalenzziffer in allen Perioden
  2. Geben Sie im Übersichtsbild den Verteilungsschlüssel 1 (gleichmäßige Verteilung) für die Äquivalenzziffer ein. Für nachträgliche Änderungen müssen Sie lediglich die Äquivalenzziffer im Übersichtsbild korrigieren.

  3. Unterschiedliche Äquivalenzziffern in den einzelnen Perioden

Verzweigen Sie in das Periodenbild und tragen Sie dort die einzelnen Werte für die Äquivalenzziffern pro Periode ein.

Siehe auch:

Leistungsartenplanung durchführen

Durchführung der manuellen Planung