Nachschubplanung

Verwendung

Ein Kunde kann die Nachschubplanung an seinen Lieferanten auslagern. Der Lieferant ist dann dafür verantwortlich, den Nachschub an den Kunden zu planen und anschließend durchzuführen (Vendor-Managed-Inventory). Die Nachschubplanung kann der Lieferant in SAP Supply Network Collaboration ( SAP SNC) durchführen. Mit der Nachschubplanung ermittelt er die Mengen der Produkte, die er in jeder Periode des Planungszeitraums von einer seiner Auslieferlokationen an eine bestimmte Kundenlokation liefern muss, um die Bedarfe der Kundenlokation rechtzeitig in der erforderlichen Menge zu decken. Der Lieferant führt die Nachschubplanung auf der Basis der Daten durch, die der Kunde an SAP SNC sendet (z.B. Bestände, Bedarfe oder Abverkaufsdaten).

Ein Ergebnis der Nachschubplanung des Lieferanten sind die so genannten geplanten Zugänge . Diese Kennzahl repräsentiert für jede Periode die Menge eines Kundenlokationsprodukts, die der Lieferant bis zum Ende der Periode an den Kunden liefern will. Die wichtigste Kennzahl für die Bewertung der Nachschubsituation ist der projizierte Bestand . Diese Kennzahl gibt Auskunft über die Bedarfs-/Bestandsbilanz eines Kundenlokationsprodukts in einer Periode. Sie repräsentiert die Produktmenge, die laut Planung am Ende jeder Periode in der Kundenlokation zur Verfügung steht. Dabei berücksichtigt der projizierte Bestand den aktuellen Lagerbestand verschiedene Bedarfe und Zugänge. (Sie können einstellen, welche Bedarfe und Zugänge der projizierte Bestand berücksichtigt.) Der Lieferant muss die geplanten Zugänge so planen, dass der projizierte Bestand den Nachschubanforderungen des Kunden entspricht.

Beispiel Beispiel

Im Business Scenario Supplier-Managed-Inventory muss der Lieferant die geplanten Zugänge so festlegen, dass der projizierte Bestand immer zwischen dem Mindestbestand und dem Höchstbestand liegt, den Kunde und Lieferant vereinbart haben. Im Business Scenario Responsive Replenishment müssen die geplanten Zugänge und der Bestand die Bedarfe und den Sicherheitsbestand möglichst bedarfsgenau und termingerecht decken.

Ende des Beispiels.

Integration

Die geplanten Zugänge sind noch unverbindlich und nur in SAP SNC sichtbar. Damit auch die Prozesse im Backend-System des Kunden oder des Lieferanten auf dieser Planung aufbauen können, kann der Lieferant im Anschluss an die Nachschubplanung in SAP SNC zu den geplanten Zugängen die folgenden verbindlichen Auftragsdokumente erzeugen:

Wenn der Lieferant in SAP SNC einen Nachschubauftrag veröffentlicht, sendet SAP SNC den Nachschubauftrag an das Lieferanten-Backend-System (optional) und an das Kunden-Backend-System. Auf der Basis des Nachschubauftrags wird im Kunden-Backend-System eine Bestellung, im Lieferanten-Backend-System ein Kundenauftrag angelegt. Diese Aufträge sind die verbindliche Basis für die Abwicklung des Nachschubprozesses in den Backend-Systemen (z.B. des Warenausgangs und des Wareneingangs). Für die Nachschubplanung in SAP SNC repräsentiert der Nachschubauftrag einen verbindlichen Zugang in der Kundenlokation. Spezielle Kennzahlen repräsentieren die gesamte Menge aus Nachschubaufträgen in einer Periode.

  • Lieferavise

    Um den Kunden über eine bevorstehende Lieferung zu informieren, kann der Lieferant einen Lieferavis an das Kunden-Backend-System senden. Abhängig davon, ob der Lieferant Nachschubaufträge verwendet oder nicht, legt er den Lieferavis zum Nachschubauftrag oder direkt zum geplanten Zugang an. Die Kennzahl Unterwegsmenge repräsentiert die gesamte Menge aus Lieferavisen in einer Periode.

Das Kunden-Backend-System kann Wareneingangsinformationen an SAP SNC senden. SAP SNC aktualisiert in den Belegen die offene und erhalten Mengen und die aus diesen Belegen abgeleiteten Kennzahlen. Die Nachschubplanung kann das entsprechend berücksichtigen.

Ob Sie die Nachschubplanung mit diesen Auftragsbelegen kombinieren wollen, hängt von Ihrem Geschäftsprozess ab. Verschiedene Nachschubvarianten sind möglich (z.B. Nachschubplanung mit oder ohne Nachschubaufträge, mit oder ohne Lieferavise). Sie können die Nachschubplanung so konfigurieren, dass der projizierte Bestand Lieferavise und Nachschubaufträge als Zugänge berücksichtigt.

Hinweis Hinweis

Es gibt keine feste Verknüpfung zwischen dem Bedarf aus einer bestimmten Periode und einem bestimmten verbindlichen Bedarf (Nachschubauftrag oder Lieferavis), den der Lieferant angelegt hat, um den Bedarf für diese Periode zu decken. Die Nachschubplanung von SAP SNC berücksichtigt immer einen verbindlichen Zugang als Zugang für die Periode, die das Lieferdatum des verbindlichen Zugangs enthält.

Wenn der Lieferant den Liefertermin eines verbindlichen Zugangs neu terminiert, indem er ihn in eine spätere Periode verschiebt, berücksichtigt die Nachschubplanung den verbindlichen Zugang für diese spätere Periode. Durch die Verschiebung des verbindlichen Zugangs kann der projizierte Bestand der initialen Periode unter einen kritischen Wert fallen. Die Nachschubplanung reagiert auf diese Situation mit einer Erhöhung der geplanten Zugänge für die initiale Periode. Ein Nachschubauftrag oder ein Lieferavis, den der Lieferant für die initiale Periode anlegt, kann schließlich zu einer Überlieferung führen.

Ende des Hinweises

Funktionsumfang

Konfiguration der Nachschubplanung

Die Nachschubplanung ist eine periodenorientierte Planung, die auf verschiedenen Kennzahlen (Zeitreihendaten) basiert. Die Kennzahlen repräsentieren z.B. verschiedene aggregierte Bedarfe oder Zugänge pro Periode. Sie können abhängig von Ihrer Nachschubvariante einstellen, welche Kennzahlen (Bedarfe, Zugänge und Bestände) das System im projizierten Bestand berücksichtigt (auf der Ebene Kundenlokationsprodukt - Lieferant). Einstellbar ist auch, wie das System den Rohnettobedarf einer Periode bestimmt (die Abweichung zwischen dem Zielbestand und dem projizierten Bestand). Hier können Sie zwischen zwei verschiedenen Nachschubmethoden wählen (bestellpunktgesteuerter Nachschub, der den Bestand beim Kunden zwischen einem Mindest- und einem Zielbestand hält oder bedarfsgenaue Deckung des Nettobedarfs).

Beispiel Beispiel

Wenn Sie Lieferavise verwenden, können Sie die Unterwegsmenge im projizierten Bestand berücksichtigen. Nachschubauftragsmengen aggregiert das System und sichert sie als verbindliche Zugänge, die Sie ebenfalls im projizierten Bestand berücksichtigen können. Wenn Sie mit Produktersetzung planen, nehmen Sie in den projizierten Bestand die Bedarfe und Zugänge aus Produktersetzungsaufträgen auf.

Im Business Scenario Responsive Replenishment können Sie für Baseline- und Promotion-Bedarfe eine getrennte Nachschubplanung durchführen. Entsprechend verwenden Sie für die Baseline- und Promotion-Planung verschiedene Profile für den projizierten Bestand.

Ende des Beispiels.
Hintergrundplanung und interaktive Planung

Der Lieferant kann die Planung manuell im Web-UI oder automatisch im Hintergrund durchführen. Ob der Lieferant die manuelle Planung oder die Hintergrundplanung verwendet, hängt vom Szenario ab. Auch wenn der Lieferant standardmäßig die Hintergrundplanung einsetzt, verwendet er zusätzlich die Nachschubmonitore im Web-UI, um sich einen Überblick über die Planungssituation und eventuelle Planungsprobleme zu verschaffen und diese durch manuelle Planung zu lösen.

Für die Hintergrundplanung verwendet der Lieferant den Planungsservice-Manager und spezielle Planungsservices für SAP SNC. Die Planungsservices stehen auch im Web-UI für die interaktive Planung zur Verfügung. Auch ein Starten von Hintergrundplanungsläufen im Planungsservice-Manager ist im Web-UI möglich.

Beispiel Beispiel

Im RR-Szenario führt der Lieferant die Nachschubplanung in der Regel täglich im Hintergrund durch. Nur zur Bearbeitung von Ausnahmen verwendet der Lieferant den Nachschubmonitor.

Im SMI-Szenario plant der Lieferant in der Regel manuell im Web-UI.

Ende des Beispiels.
Planungsservices

Der zentrale Planungsservice für die Nachschubplanung ist der Nachschubservice . Er ist konfigurierbar und ermöglicht die Planung mit verschiedenen Nachschubmethoden (z.B. Bestände zwischen Mindestbestand und Höchstbestand halten, Bedarfe und Sicherheitsbestand bedarfsgenau und termingerecht decken). Im Nachschubservice steht auch das dynamische Sourcing zur Verfügung. Das dynamische Sourcing kann Auslieferlokationen und Transportmittel nach verschiedenen Regeln auswählen und Transportladungen entsprechend zusammenstellen.

Abhängig von der Nachschubvariante verwenden Sie zusätzlich zum Nachschubservice weitere Planungsservices. Dazu gehören Folgende:

  • Deployment

    Dieser Planungsservice erzeugt aus den geplanten Zugängen, die der Lieferant manuell oder mit dem Nachschubservice erzeugt hat, geplante Zugänge, die die Verfügbarkeitssituation in den Auslieferlokationen des Lieferanten berücksichtigen. Dieser Service ist nur für das Business Scenario Responsive Replenishment relevant. Da dieser Service das Deployment von Supply Network Planning in SAP Advanced Planning and Optimization (SAP APO) aufruft, können Sie diesen Service nur in einer SCM-Server-Installation verwenden.

  • Erzeugen von Nachschubaufträgen

    Um aus geplanten Zugängen direkt Nachschubaufträge zu erzeugen, stehen zwei Planungsservices zur Verfügung. Beide Services erzeugen Nachschubaufträge, und einer veröffentlicht sie auch automatisch.

  • Transport Load Building (TLB)

    Mit dem TLB-Service kann der Lieferant eine Beladung von Transportmitteln nach bestimmten Regeln erreichen. Der TLB-Service fasst dazu geplante Zugänge zu TLB-Transporten zusammen, zu denen ein oder mehrere Nachschubaufträge gehören. (Der TLB-Service erzeugt also Nachschubaufträge automatisch). Dieser Service ist nur für das Business Scenario Responsive Replenishment relevant.

Nachschubmonitore

Für die interaktive Planung stehen im Web-UI mehrere Nachschubmonitore zur Verfügung, die verschiedene Standardnachschubvarianten unterstützen. In einem Nachschubmonitor stehen die Kennzahlen, Planungsservices und Funktionen zur Verfügung, die für die jeweilige Nachschubvariante relevant sind. Kunde und Lieferant erhalten einen schnellen Überblick über die Bedarfs- und Bestandssituation ausgewählter Produkte in der Kundenlokation und über kritische Situationen des projizierten Bestands. Der Lieferant verwendet den Nachschubmonitor für die interaktive Planung: Er analysiert die Planungssituation und behebt eventuelle kritische Probleme, z.B. durch manuelle Bearbeitung der geplanten Zugänge. Der Kunde kann im Nachschubmonitor den Planungsfortschritt überwachen und eine simulative Planung durchführen. Folgende Nachschubmonitore stehen zur Verfügung:

  • SMI-Monitor

    Dieser Nachschubmonitor unterstützt eine Nachschubplanung, die den projizierten Bestand zwischen einem Mindestbestand und einem Zielbestand hält. Sie verwenden keine Nachschubaufträge, aber Lieferavise.

  • Min/Max-Nachschubmonitor

    Dieser Nachschubmonitor unterstützt eine Nachschubplanung, die den projizierten Bestand zwischen einem Mindestbestand und einem Zielbestand hält. Sie verwenden Nachschubaufträge und Lieferavise.

  • Responsive-Replenishment-Monitor

    Dieser Nachschubmonitor unterstützt eine Nachschubplanung, die den Bedarf und den Sicherheitsbestand möglichst exakt und termingerecht deckt. Sie verwenden Nachschubaufträge und Lieferavise.

Verwendete Daten

Die Nachschubplanung verwendet – abhängig von der Nachschubvariante – die folgenden Daten:

  • Bedarfsdaten, die der Kunde aus seinem Backend-System an SAP SNC überträgt

  • Bestandsdaten, die der Kunde aus seinem Backend-System an SAP SNC überträgt

  • Baseline- und Promotion-Bedarfe, die SAP-SNC-Prognose für die Nachschubplanung freigegeben hat

Um dem Lieferanten eine realistische Nachschubplanung zu ermöglichen, muss der Kunde die Daten in SAP SNC regelmäßig aktualisieren.

Beispiel Beispiel

Um im SMI-Szenario Bedarfs- und Bestandsdaten an SAP SNC zu übertragen, verwendet der Kunde XML-Messages vom Typ ProductActivityNotification . Wenn der Kunde ein SAP-Backend-System einsetzt, kann er für die Datenübertragung einen speziellen Report verwenden. Weitere Informationen finden Sie unter Beispiel: Nachrichtenfluss für Supplier Managed Inventory und unter Übertragung von Bedarfen und Beständen an SAP SNC .

Ende des Beispiels.
Datenverwaltung

Die Nachschubmonitore verwalten und verarbeiten Kennzahlen (z.B. Bedarfe und Zugänge) und Bestände auf der Ebene Kundenlokation-Produkt-Lieferant, im Business Scenario Responsive Replenishment zusätzlich auf der Ebene Promotion-ID. Für die verschiedenen Objekte (Kennzahlen, Auftragsbelege und Bestände) verwendet das System folgende Anwendungen:

  • Zeitreihendatenverwaltung (TSDM)

    SAP SNC verwendet den Zeitreihentyp INVM1.

  • Auftragsbelegverwaltung (ODM) für Auftragsbelege

    Das ist relevant für Plannachschubaufträge, Produktersetzungsaufträge, Nachschubaufträge und Lieferavise.

  • Logistics Inventory Management Engine(LIME) für Bestände

Alerts und Alert-Benachrichtigung

SAP SNC vergleicht den projizierten Bestand und den Lagerbestand mit dem zwischen Kunde und Lieferant vereinbarten Mindest- und Höchstbestand des Kundenlokationsprodukts. Bei Verletzung dieser Bestandsschwellen erzeugt SAP SNC Nachschubplanungs-Alerts .

Wenn Sie mit Alert-Benachrichtigung arbeiten, muss der Lieferant nur dann den Nachschubmonitor aufrufen, wenn eine außergewöhnliche Situation eingetreten ist, die sein Eingreifen erfordert. Sie können benutzerspezifisch einstellen, dass SAP SNC einen Benutzer automatisch benachrichtigt (z.B. durch E-Mail oder durch ein Fax), wenn ein für ihn relevanter Alert aufgetreten ist.

Wenn Sie den Lieferanten auf der Basis von Alerts bewerten wollen, verwenden Sie die Alert-basierte Bewertung .

Aktivitäten

Die Nachschubmonitore rufen Sie im Web-Anwendungsmenü unter Nachschub auf.