Merkmalsvorplanung

Einsatzmöglichkeiten

Es gibt Branchen, in denen der Kunde ein Produkt in verschiedenen Varianten bestellen kann. Hierbei kann es sich um etwas so Einfaches handeln wie die Farbe einer Kaffeemaschine oder um komplexere Zusammenhänge; z. B. muss der Kunde beim Kauf eines Autos wählen zwischen verschiedenen Farben, Motoren und Polstern, er kann jedoch auch Extras bestellen, z. B. ein spezielles Fahrwerk. Sie benötigen eine Prognose für das Produkt (das Auto) sowie für die einzelnen Merkmalswerte (gelegentlich auch als „Merkmalsausprägung“ bezeichnet). Sie müssen wissen, wie viele Motoren einer bestimmten Größe oder Türen einer bestimmten Farbe in Zukunft benötigt werden.

In einem ERP-System von SAP oder im SAP APO werden diese Attribute (im obigen Beispiel Farbe, Motor, Polster) als Merkmale bezeichnet. Merkmalswerte sind z. B. die Farben rot, grün und blau oder die einzelnen Motorengrößen.

In SAP APO und in NetWeaver Verwendungsart Business Intelligence (BI) wird der Begriff „Merkmal“ auch zur Bezeichnung der Art eines InfoObjects verwendet. Obwohl beide die gleiche betriebswirtschaftliche Bedeutung haben, sind sie technisch vollkommen unterschiedliche Arten von Objekten. Daher werden wir an Stellen, an denen es zur Verwechselung kommen könnte, von den Merkmalen der Merkmalsvorplanung als „Vorplanungsmerkmalen“ sprechen.

Die Merkmalsvorplanung ist ein leistungsfähiges Werkzeug, mit dem Sie den Absatz/Bedarf sowohl auf Produktebene als auch auf Merkmalsebene prognostizieren können.

Im Allgemeinen ist das Produkt, auf das im Geschäftsprozess Bezug genommen wird, das generische Modell, im Beispiel das Auto. Je nachdem, welche Optionen der Kunde wählt, variieren einige Komponenten, während andere gleich bleiben. Dies bedeutet, dass es mehrere Einzelstücklisten geben kann. In der Automobil- und High-Tech-Branche sind 10 10 bis 10 20 verschiedene Kombinationen möglich.

Offensichtlich ist es nicht praktikabel, für alle Kombinationen eine Prognose zur erstellen und diese zu verfolgen. Obwohl es ggf. sehr viele Kombinationen gibt, sind entweder nicht alle möglich, oder Sie beabsichtigen nicht, mehrere Kombinationen zu erzeugen. In der Merkmalsvorplanung können Sie Absatzpläne erstellen für Kombinationen von Merkmalswerten oder für einzelne Werte. In der Regel beschränken Sie die in der Merkmalsvorplanung verwendeten Merkmale auf solche, die für die Planung wichtig sind.

Die Merkmalsvorplanung ist in die Produktions- und Feinplanungsplanung (PP/DS) integriert, so dass Sie auf der Basis der Merkmalsvorplanung einzelne Komponenten beschaffen und fertigen können.

Kundenaufträge für konfigurierbare Materialien im ERP-System können gegen den freigegebenen Planprimärbedarf verrechnet werden. Weitere Informationen finden Sie unter Verrechnung von Kundenaufträgen für konfigurierbare Produkte .

Ablauf

Die Merkmalsvorplanung beinhaltet einen Prozess, der in SAP APO und im ERP-System von SAP voll integriert ist. Sie können wählen, ob Sie die Merkmale im ERP-System anlegen und bearbeiten, mit anschließender Übertragung der Daten an SAP APO, oder ob Sie die Merkmale in SAP APO anlegen. Gleiches gilt für die Stückliste, die im ERP-System oder in SAP APO angelegt werden kann.

Im Szenario der Merkmalsvorplanung können Sie nur Stücklisten benutzen, die in einer Produktionsdatenstruktur (PDS) enthalten sind. Die PDS können Sie entweder aus iPPE-Modellen oder aus Fertigungsversionen im ERP-System generieren. Weitere Einzelheiten finden Sie unter Stücklistendaten in einem Merkmalsvorplanungsszenario . Es ist nicht möglich, Produktionsprozessmodelle (PPMs) zusammen mit konfigurationsrelevanter Information zu verwenden.

Sie legen die Stammdaten in SAP APO oder im ERP-System an. Die Merkmalsvorplanung basiert auf Produkten, zu denen Stammdaten im System existieren, und auf Merkmalen. Im Gegensatz zur Absatzplanung müssen die Produkte in SAP APO definiert werden.

Das Produkt sollte über die Bedarfsstrategie 30, Planung ohne Endmontage , verfügen (Registerkarte Bedarf des Lokationsprodukts). Dies verhindert, dass für das Endprodukt Fertigungsaufträge angelegt werden; Sekundärbedarfe für die Komponenten werden jedoch generiert.

Weitere Informationen finden Sie unter Merkmale und Klassen in SAP APO anlegen und Anlegen von Merkmalen und Klassen im ERP-System .

Ggf. übertragen Sie die Stammdaten und Vergangenheitsdaten aus dem ERP-System.

Sie legen eine Basis-Planungsobjektstruktur und einen Planungsbereich an. Siehe Anlegen von Planungsbereichen und Planungsmappen für die Merkmalsvorplanung .

Sie legen Vorplanungstabellen (MV-Tabelle) und Vorplanungsprofile (MV-Profile) an. Siehe Einstellungen für die Merkmalsvorplanung in APO .

Dann legen Sie Merkmalswertekombinationen wie in der Absatzplanung an.

Wenn Kundenaufträge gegen die Vorplanung (Planprimärbedarf) verrechnet werden sollen, dann legen Sie an dieser Stelle eine Verrechnungsgruppe an und ordnen sie den Produkten zu..

Sie erstellen einen Absatzplan für die Merkmale oder Merkmalskombinationen. Nutzen Sie hierfür entweder die interaktive Absatzplanung oder einen Hintergrundjob. Lassen Sie sich mit den Drill-Down-Funktionen im Kopf alle Merkmalswerte anzeigen.

Den Absatzplan geben Sie aus der Absatzplanung an PP/DS frei.

PP/DS legt Planprimärbedarfe auf der Ebene des konfigurierten Produkts an. Der Bedarf für einzelne Merkmalswerte/Kombinationen wird zunächst nicht übertragen. Bei Auflösung der PDS bestimmt das System den Sekundärbedarf für die Komponenten, indem es Bezug nimmt auf den Absatzplan/Bedarfsplan für die Merkmalswerte/-kombinationen. Es legt Sekundärbedarfe für die Komponenten in PP/DS an, die in Fertigungsaufträge oder Bestellanforderungen umgesetzt werden können.

Wenn Sie die Verrechnung eingerichtet haben (Schritt 6), dann erfolgt die Verrechnung von Kundenaufträgen zu einer bestimmten Konfiguration, die im ERP-System angelegt werden, gegen den Planprimärbedarf eben dieser Konfiguration.

Nachdem in PP/DS Sekundärbedarfe angelegt wurden, können Sie diese wieder an die Absatzplanung freigeben. Anschließend können Sie die Planung der Komponenten in der Absatzplanung fortsetzen. Im Allgemeinen benötigen Sie keine Funktionen der Merkmalsvorplanung für die weitere Planung der Komponenten in der Absatzplanung. Dies bedeutet, dass Sie eine andere Planungsmappe für die Komponenten verwenden sollten.

Sie können Aufträge für Komponenten aggregieren und in eine andere Version kopieren. Hierzu wählen Sie vom Bild SAP Easy Access aus Advanced Planning and OptimizationProduktionsplanungUmfeld ® Laufende EinstellungenErzeugung Vorplanung. Um dieses Programm nutzen zu können, müssen Sie das Kennzeichen Baugruppenvorplanung im Lokationsproduktstamm (Registerkarte Bedarf ) gesetzt haben. Siehe auch Werkzeuge für die Verrechnung .

Auswertungen mit der Merkmalsvorplanung

Sie können Daten zur Übernahme in InfoCubes extrahieren und hierzu die normalen Funktionen der Absatzplanung benutzen (siehe Daten aus einem Planungsbereich extrahieren ). Wenn Sie Daten zum Zweck der Auswertung in InfoCubes schreiben möchten, müssen Sie jedoch bestimmte Punkte beachten.

Insbesondere wenn Sie die Konfigurationsdaten als Merkmal + Merkmalswert anzeigen möchten und nicht in der Art und Weise der Merkmalsvorplanung (Profil, Tabelle und Zeile), müssen Sie Fortschreibungsroutinen anlegen, die die Daten beim Hochladen in den InfoCube in eine neue Form bringen. Dies ist sozusagen die Umkehr des Prozesses, der beschrieben ist unter Übertragung von Vergangenheitsdaten für die Merkmalsvorplanung .

Weitere Einzelheiten hierzu, inkl. einem Coding-Beispiel, finden Sie im SAP-Hinweis 501041.