Feinplanung
Die Feinplanung hat folgende Aufgaben:
die Ressourcen und die Termine für die Durchführung von Vorgängen festzulegen - unter Berücksichtigung der Ressourcen- und Produktverfügbarkeit
den Planer bei der Belegungsplanung für die Ressourcen, d.h. bei der Bildung einer optimalen Bearbeitungsreihenfolge für die Vorgänge, zu unterstützen
Die elementaren Feinplanungsaktivitäten sind:
einplanen, d.h. Vorgänge zu einem bestimmten Termin auf Ressourcen einlasten
umplanen, d.h. bereits eingeplante Vorgänge auf einen anderen Termin oder auf andere Ressourcen einlasten
ausplanen, d.h. eingeplante Vorgänge aus der Ressourcenbelegung entfernen
Das System kann Feinplanungsaktivitäten automatisch auslösen, z.B. plant das System beim Anlegen eines Auftrags die Auftragsvorgänge automatisch ein. Sie können Feinplanungsaktivitäten im Produktionsplanungslauf, in der Feinplanungsplantafel oder in der Ressourcenplantafel auch gezielt für ausgewählte Vorgänge oder Aufträge starten. Hier führt das System ggf. auch automatisch Feinplanungsaktivitäten für betroffene abhängige Objekte durch.
Weitere Informationen über das Planen mit eingeschränkter Gültigkeit von Stücklisten und Arbeitsplänen finden Sie im SAP-Hinweis 385602
.
Basis der Feinplanung sind neben dem Wunscheinplanungstermin, z.B. eines Auftrags, die Kapazitätsbedarfe der Aktivitäten. Welche Randbedingungen, Regeln und Parameter das System beim Planen beachten muss, steuern Sie über Einstellungen und Daten in folgenden Objekten:
Ressource
Bezugsquelle für die Eigenfertigung (Produktionsprozessmodell (PPM), iPPE-Einstiegsobjekt oder Produktionsdatenstruktur generiert aus ERP-Stammdaten)
Strategieprofil
Ausgangspunkt für eine Ein- oder Umplanung ist der Wunschstart- oder Wunschendtermin der Aufträge oder Vorgänge. Wenn Sie z.B. einen Auftrag anlegen, definiert der Verfügbarkeitstermin des Auftragshauptprodukts den Wunschendtermin. Wenn Sie z.B. einen Vorgang in der Feinplanungsplantafel mit Drag&Drop umplanen, ist der Wunschtermin der Termin, an dem Sie den Vorgang „loslassen“.
Ausgehend vom Wunschtermin sucht das System in der eingestellten Planungsrichtung für die letzte Aktivität (Planungsrichtung rückwärts) oder für die erste Aktivität (Planungsrichtung vorwärts) eines Vorgangs oder eines Auftrags nach einem Einplanungstermin. Ist die erste Aktivität eingeplant, kommt die nächste Aktivität in Planungsrichtung an die Reihe, bis alle Aktivitäten des Vorgangs oder des Auftrags ein- oder umgeplant sind. Grundsätzlich kann das System eine Aktivität nicht vor und nach dem – applikationsabhängigen – frühestmöglichen bzw. spätestmöglichen Termin ein- oder umplanen.
Auf welchen Termin eine Aktivität auf einer Ressource ein- oder umgeplant werden kann, hängt vom Kapazitätsbedarf der Aktivität und von den Arbeitszeiten und der Kapazität der Ressource ab. In der Regel können Aktivitäten nur während der regulären Arbeitszeiten einer Ressource bearbeitet werden und daher auch nur in reguläre Arbeitszeiten geplant werden. In die Arbeitszeiten können Sie Aktivitäten finit oder infinit planen, d.h. mit oder ohne Berücksichtigung der Ressourcenkapazität und der bereits bestehenden Ressourcenbelastung. Bei Bedarf können Sie Aktivitäten auch in Nichtarbeitszeiten, z.B. Pausen, einplanen. Eine Einplanung in eine Ausfallzeit – verursacht z.B. durch einen Maschinenausfall oder durch eine Wartung – ist grundsätzlich nicht möglich. Aktivitäten, die länger als eine zusammenhängende Arbeitszeit dauern, müssen ggf. durch Nichtarbeitszeiten unterbrechbar sein, damit sie eingeplant werden können.
Sie können im PPM für eine Aktivität mehrere alternative Sets von Ressourcen angeben (Modi), auf denen die Aktivität durchgeführt werden kann. Die Modusauswahl kann automatisch oder (in der Feinplanungsplantafel) manuell erfolgen.
Zwischen Aktivitäten können zeitliche Anordnungsbeziehungen bestehen, die regeln, welche zeitlichen Mindest- oder Maximalabstände Aktivitäten haben dürfen. Die obligatorischen Ende-Start-Anordnungsbeziehungen zwischen den Aktivitäten eines Vorgangs beachtet das System immer. Wenn Sie z.B. als Mindestabstand zweier Aktivitäten eines Vorgangs eine Stunde angegeben haben, darf das System diese Aktivitäten nicht so ein- oder umplanen, dass dieser Zeitabstand unterschritten wird. Ob das System beim Planen zeitliche Anordnungsbeziehungen zwischen Aktivitäten verschiedener Vorgänge beachtet, stellen Sie in der Feinplanungsstrategie ein.
Zwischen Aktivitäten verschiedener Aufträge können Pegging-Beziehungen bestehen. Eine Aktivität produziert also ein Material, das durch eine Aktivität eines anderen Auftrags weiterverarbeitet wird. Die Pegging-Beziehung erfordert – mit einer gewissen zeitlichen Toleranz –, dass das Material rechtzeitig zur Verfügung steht, d.h. dass die liefernde Aktivität rechtzeitig eingeplant wird. Ob das System beim Planen Pegging-Beziehungen beachtet, stellen Sie in der Feinplanungsstrategie ein.
Wenn Sie einen Vorgang oder einen Auftrag ein- oder umplanen, sind davon auch andere Vorgänge und Aufträge betroffen. Damit die Planung konsistent bleibt, sind daher oft Folgeumplanungen erforderlich, die das System automatisch durchführen kann.
Die Dauer der Rüstaktivität eines Vorgangs kann davon abhängen, in welchem Rüstzustand die Ressource sich zum Zeitpunkt der Einplanung befindet, d.h. welcher Vorgang zuvor an der Ressource bearbeitet wurde. Für Rüstaktivitäten auf Single-Ressourcen kann das System bei der Feinplanung automatisch die richtige Rüstzeit ermitteln.
Auf Multi-Ressourcen können mehrere Aktivitäten gleichzeitig bearbeitet werden. Wie viele das sind, hängt vom Ressourcenverbrauch der Aktivitäten und von der Kapazität der Multi-Ressource ab. Das System kann bei der Feinplanung die Startzeiten von Aktivitäten synchronisieren, wenn die Aktivitäten in der Dauer und in einem weiteren Merkmal übereinstimmen.
Sie können in der Blockplanung für Ressourcen Blöcke definieren, d.h. Zeitabschnitte, die für die Produktion von Produkten mit bestimmten Merkmalen reserviert sind. Das System berücksichtigt dies bei der Feinplanung automatisch und plant Aktivitäten nur in die Blöcke mit den passenden Merkmalen ein oder um.
Im Terminierungsprotokoll sammelt das System Meldungen, die es in der interaktiven Planung oder im Produktionsplanungslauf bei der Terminierung erzeugt. Das Terminierungsprotokoll rufen Sie auf
in der Feinplanungsplantafel unter Zusätze
im Bereichsmenü der Produktionsplanung
unter
In komplexen Planungssituationen, bei denen sehr viele Randbedingungen und Abhängigkeiten berücksichtigt werden müssen, kann die Terminierungsdauer sehr lang werden. Systemintern ist eingestellt, dass das System die Terminierung nach ca. zehn Minuten abbricht. Sie können in der Feinplanungsstrategie eine andere maximale Terminierungsdauer einstellen.
Bei Planungsproblemen, z.B. Ressourcenüberlastung, kann das System Alerts erzeugen, die es im Alert Monitor anzeigt. Dazu müssen Sie ein entsprechendes PP/DS-Alert-Profil verwenden.