Kooperation über Beschaffungs- und Vertriebslieferpläne

Einsatzmöglichkeiten

Die kooperierende Lieferplanabrufabwicklung umfasst den Austausch von Bedarfsinformationen zwischen Kunden und Lieferanten.

Der Vorteil der kooperierenden Abrufabwicklung besteht in

dem verbesserten Informationsfluss zwischen Kunde und Lieferant, da beide die Informationen über übermittelte bzw. bestätigte Bedarfe (in Form von Mengen und Terminen) verarbeiten und mit den eigenen Informationen vergleichen können

der frühzeitigen Information des Kunden über bestätigte Mengen und Termine zum Zeitpunkt der Planung, und nicht erst beim Warenausgang

In diesem Prozess kann der Kunde Lieferplanabrufe zu seinem Beschaffungslieferplan erstellen und diese an den Lieferanten übermitteln.

Der Lieferant kann diese Lieferplanabrufe empfangen und als Ergebnis der Verarbeitung kann er bestätigte Mengen und Termine mit Bezug zu seinem Vertriebslieferplan an den Kunden versenden. Dadurch kann der Lieferant zeitnah zur Planung Einteilungen eines längeren Zeitraums bestätigen. Bisher war es nicht möglich, aus der Planung heraus Liefermengen und -termine zuzusagen. Bestätigungen, wie z. B. Lieferavise, konnten erst bei der Auslieferung oder beim Warenausgang erzeugt werden.

Der Kunde kann diese Bestätigungen mit den aktuelleren Daten empfangen und verarbeiten. Falls der Lieferant nicht alle Bedarfe zu den gewünschten Terminen bestätigen kann, kann der Kunde ggf. rechtzeitig einen anderen Lieferanten als Bezugsquelle heranziehen.

Abrufabwicklung zu Beschaffungslieferplänen

Bisher konnte der Kunde ausschließlich Lieferplanabrufe ( lieferrelevante Abrufe und Vorschauabrufe) an seine Lieferanten versenden.

Im Rahmen der kooperierenden Abrufabwicklung kann der Kunde auch Bestätigung seiner Abrufe von Seiten des Lieferanten empfangen und verarbeiten.

Wenn der Lieferant Bestätigungen an den Kunden versendet, kann der Kunde die Bestätigungen in seinem SAP-APO-System im Rahmen der Abrufabwicklung zu Beschaffungslieferplänen ( APO-Lieferpläne) weiterverarbeiten. So erhält er zuverlässige, stets aktuelle Daten, die er als Grundlage für ATP-Prüfung, Reichweiten-Alerts und Wareneingangsvorschläge verwenden kann.

Beschaffungslieferpläne können nicht nur in der Produktions- und Feinplanung (PP/DS) beplant werden, sondern auch im Supply Network Planning (SNP).

Ab Release 3.1 können Beschaffungslieferpläne als Bezugsquellen verwendet werden.

Ab Release 4.0 können Sie einen Prozess ohne Abrufe mit Bestätigung im SNP einsetzen. D. h. die Planung im PP/DS oder SNP erzeugt Bedarfe (Einteilungen), die nicht mehr per Lieferplanabruf an Lieferanten übermittelt werden, sondern Lieferanten bestätigen eingeteilte Mengen in der Kooperierenden Beschaffungsplanung des SNP per Internet.

Weitere Informationen finden Sie im Abschnitt Beschaffungslieferpläne in der heuristikbasierten SNP-Planung .

Abrufabwicklung zu Vertriebslieferplänen

Im Rahmen der kooperierenden Abrufabwicklung kann der Lieferant nicht nur die Abrufe seines Kunden empfangen, sondern diese auch bestätigen.

Die Abrufabwicklung zum Vertriebslieferplan umfasst folgendes:

Zahlreiche Prüfungen werden automatisiert durchgeführt.

Als Ergebnis dieser Prüfungen können bei unkritischen Abrufen automatisch Bestätigungen erzeugt und an den Kunden versendet werden. So wird der Planer von der einfachen Routinearbeit entlastet.

Konfliktsituationen werden dem Planer im Alert Monitor angezeigt.

Konflikte kann er dann in der Produktplantafel oder Produktsicht bearbeiten und anschließend übereinstimmend oder abweichend bestätigen.

Über das Planungsverfahren im lokationsabhängigen Produktstamm können Sie für Kundenbedarfe festlegen, ob die Wunschmenge oder die bestätigte Menge Pegging-relevant ist.

Wenn Sie auf der Basis der Wunschmenge planen, dann sind die Kundenbedarfe mit dem Abrufeingang planungsrelevant.

Wenn Sie auf der Basis der bestätigten Mengen planen, dann sind Kundenbedarfe erst nach dem Bestätigen planungsrelevant; unabhängig davon, ob diese Bestätigung an den Kunden übermittelt wurde oder nicht.

Siehe Festlegen der Pegging-relevanten Menge bei Kundenbedarfen

Ablauf

Den Ablauf der kooperierenden Abrufabwicklung erläutert folgende Grafik:

Die erforderlichen Stammdaten müssen aus dem OLTP-System in das SAP-APO-System übertragen werden. Nach der Übertragung müssen Sie ggf. erforderliche Daten und Profile pflegen.

Das OLPT-System (online transaction processing system) kann ein SAP-R/3-System oder ein anderes System sein.

Der folgende Prozess bezieht sich auf das SAP-APO-System und das SAP-R/3-System.

Siehe Voraussetzungen für den Beschaffungslieferplan und Voraussetzungen für den Vertriebslieferplan

Der Kunde plant Produkte in seinem SAP-APO-System. Zu den Mengen und Terminen, zu denen er bestimmte Produkte, die extern beschafft werden, benötigt, werden Einteilungen zu Beschaffungslieferplänen angelegt.

Diese Einteilungen übermittelt der Kunde in Form von Abrufen, z. B. per Electronic Data Interchange (EDI), an den Lieferanten. Für diese Abrufe kann z.B. eine Toleranzprüfung durchgeführt werden oder sie können gestoppt werden, wenn sich die Einteilungssituation gravierend geändert hat.

Der Lieferant empfängt diese Lieferplanabrufe in seinem SAP-APO-System. Die eingehenden Lieferplanabrufe sind für ihn noch nicht planungsrelevant, d. h. disporelevant.

Lieferplanabrufe können entweder im SAP-R/3-System oder im SAP-APO-System empfangen werden. Wenn Lieferplanabrufe zu Vertriebslieferplänen im SAP-R/3-System eingehen, dann werden diese an das SAP-APO-System weitergeleitet.

Im System des Lieferanten können folgende Schritte bzw. Prüfungen stattfinden:

Eingangsverarbeitungdes Abrufs

Beim Eingang des Lieferplanabrufs finden ggf. ein Abrufsplit und eine Abrufverrechnung statt.

Siehe Eingangsverarbeitung von Lieferplanabrufen

Sollabruferzeugen

Aus dem lieferrelevanten Abruf und dem Vorschauabruf wird ein Sollabruf erzeugt.

Lieferrelevanter Abruf und Vorschauabruf werden auf der Datenbank gespeichert; der Sollabruf im liveCache.

Siehe Sollabruf

Zulässigkeitprüfen

Im Rahmen der Eingangsverarbeitung kann im SAP-APO-System eine automatische Zulässigkeitsprüfung vorgenommen werden. Dabei wird der aktuelle Sollabruf mit dem zuletzt bestätigten Sollabruf verglichen.

Siehe Zulässigkeitsprüfung

Machbarkeitprüfen

Wenn die Zulässigkeitsprüfung erfolgreich war, dann kann im SAP-APO-System eine automatische Machbarkeitsprüfung für das Produkt durchgeführt werden.

Die Machbarkeitsprüfung wird immer auf der Basis des Sollabrufs durchgeführt, um zu prüfen, ob die neuen Kundenwünsche erfüllt werden können.

Siehe Machbarkeitsprüfung

Rückstandsbearbeitungdurchführen

Alternativ zur Machbarkeitsprüfung können Sie eine Rückstandsbearbeitung durchführen.

Siehe Rückstandsbearbeitung

Bestätigungerzeugen

Die vom Kunden gewünschte Menge können Sie komplett oder teilweise bestätigen und ggf. eine Bestätigung an den Kunden übermitteln.

Siehe Bestätigungen

Der Kunde erhält die Bestätigung des Abrufs durch den Lieferanten. Durch diese Bestätigung erhält der Kunde aktuellere Daten bereits zum Zeitpunkt der Planung und nicht erst, wenn der Lieferant die Auslieferung oder den Warenausgang bucht.

Beim Eingang der Bestätigung kann eine Toleranzprüfung durchgeführt werden. Sie können einstellen, dass die aktuelle Bestätigung mit der letzten Bestätigung oder mit dem letzten lieferrelevanten Abruf verglichen wird.

Das Lieferavis, das beim Anlegen der Auslieferung oder beim Warenausgang im SAP-R/3-System versendet wird, enthält die Liefermenge zu einem bestimmten Termin.

Im Gegensatz dazu können in Bestätigungen, die aus der Planung im SAP-APO-System heraus erzeugt werden, zahlreiche Einteilungen eines längeren Zeitraums enthalten sein.

Siehe Bestätigungseingang

Die Auslieferung wird im SAP-R/3-System des Lieferanten erstellt; dabei kann eine ATP-Prüfung durchgeführt werden.

Der Warenausgang erfolgt im SAP-R/3-System des Lieferanten.

Siehe Auslieferung und Warenausgang

Die Anlieferung wird im SAP-R/3-System des Kunden erfasst.

Der Wareneingang erfolgt im SAP-R/3-System des Kunden.

Siehe Anlieferung, Wareneingang und Rechnung/Gutschrift

Die Verrechnung der gelieferten Produkte bzw. Materialien erfolgt im SAP-R/3-System:

Der Lieferant kann aufgrund des Warenausgangs eine Rechnung erstellen und an den Kunden versenden.

Der Kunde kann die automatische Wareneingangsabrechnung verwenden, so dass aufgrund des Wareneingangs eine Gutschrift erstellt und an den Lieferanten versendet wird ( ERS-Verfahren).

Weitere Informationen zu Beschaffungslieferplänen finden Sie im Abschnitt Beschaffung über einen APO-Lieferplan .

Weitere Informationen zu Vertriebslieferplänen finden Sie im Abschnitt Abrufabwicklung zu Vertriebslieferplänen .