SAP NetWeaver Exchange Infrastructure
Mit der Exchange Infrastructure innerhalb von SAP NetWeaver, kurz SAP NetWeaver XI, können Sie systemübergreifende Geschäftsprozesse realisieren. Sie können Systeme unterschiedlicher Hersteller (nicht-SAP und SAP) in unterschiedlichen Versionen und implementiert in unterschiedlichen Programmiersprachen (Java, ABAP, usw.) miteinander verbinden. Die Exchange Infrastructure beruht auf einer offenen Architektur, bedient sich vornehmlich offener Standards (besonders aus der XML- und Java-Welt) und bietet Dienste an, die in einer heterogenen und komplexen Systemlandschaft unentbehrlich sind:
● Modellierung und Design von Nachrichten, Transformationen und system-übergreifenden Integrationsprozessen
● Konfiguration zur Steuerung kollaborativer Prozesse und des zugrunde liegenden Nachrichtenflusses
● Laufzeit zur Nachrichten- und Prozess-Steuerung
● Adapter Engine zur Integration heterogener Systemkomponenten
● Zentrales Monitoring zur Überwachung des Nachrichtenflusses und der Prozesse
SAP NetWeaver XI unterstützt dabei sowohl unternehmensinterne als auch unternehmensübergreifende Szenarien.

In dieser Dokumentation wird von kollaborativen Prozessen gesprochen, wenn es um Abläufe in der Geschäftswelt geht, die eine systemübergreifende Implementierung erfordern. Insbesondere bezeichnet dieser Begriff noch keine konkreten Objekte dieser Implementierung.
Die folgende Grafik bietet Ihnen einen kurzen Überblick, wo SAP NetWeaver XI positioniert ist. Auf der rechten Seite sind wichtige Komponenten und Konzepte aufgeführt, die im Kapitel Übersicht ausführlicher beschrieben sind.

SAP NetWeaver XI ist Teil der Verwendungsart Process Integration.
SAP NetWeaver XI orientiert sich an allgemein anerkannten Standards, um für die Integration von Fremdsystemen offen zu sein. So steht im Mittelpunkt eine XML-basierte Kommunikation über HTTP (HyperText Transfer Protocol): Die anwendungsspezifischen Inhalte werden über Messages in einem frei definierbaren XML-Schema (XML: eXtensible Markup Language) vom Sender an den Empfänger über den sogenannten Integration Server übertragen.

In der Grafik oben bezeichnet Integration Broker eine Capability von SAP NetWeaver, die durch SAP NetWeaver XI unterstützt wird (damit ist der Funktionsumfang für einen technologischen Bereich von SAP NetWeaver gemeint). Der Integration Server ist hingegen die technische Laufzeitkomponente).
Sender und Empfänger, die über den Integration Server Messages austauschen, sind voneinander entkoppelt. Diese Entkopplung erleichtert es, Systeme miteinander zu verbinden, die sich technologisch voneinander unterscheiden: Jedes System, das Messages mit dem Integration Server austauschen kann, kann also auch mit allen anderen Systemen, die am Integration Server angeschlossen sind Messages austauschen. SAP NetWeaver XI unterstützt folgende Ansätze für die Kommunikation mit dem Integration Server:
● Die direkte Kommunikation über Proxies, die Sie ausgehend von einer Beschreibung in WSDL (WSDL: Web Service Description Language) in die Anwendungssysteme generieren.
● Die Kommunikation über Adapter. In diesem Fall legen Sie Interfaces für den Message-Austausch im Anwendungssystem an beziehungsweise sind dort bereits vorhanden.
Die einfache Verarbeitung von Messages auf dem Integration Server ist zustandslos, das heißt, der Integration Server ‚kennt’ keine Zusammenhänge zwischen verschiedenen Messages. System-übergreifende Integrationsprozesse dagegen beschreiben zusammenhängendere Prozesse, die das Wissen um bereits prozessierte Nachrichten zur weiteren Steuerung verwenden können (beispielsweise das Warten auf die entsprechende Antwort für eine Nachricht, um damit weitere Aktionen einzuleiten). Diese system-übergreifenden Integrationsprozesse können Sie mit SAP NetWeaver XI zentral modellieren, ändern und verwalten. Sie werden auf dem Integration Server ausgeführt und sind in die Nachrichtenprozessierung über Konfiguration eingebunden.
Genau wie systemübergreifende Integrationsprozesse legen Sie das ganze Integrationswissen eines kollaborativen Prozesses in SAP NetWeaver XI zentral ab: Objekte zur Design-Zeit im Integration Repository und Objekte zur Konfigurations-Zeit im Integration Directory. Die Exchange Infrastructure folgt damit dem Prinzip des so genannten Shared Collaboration Knowledge: Sie müssen Informationen über einen kollaborativen Prozess nicht mehr in den beteiligten Systemen zusammensuchen, sondern können Sie zentral abrufen. Diese Vorgehensweise reduziert erheblich die Kosten für die Entwicklung und die Wartung von verteilten Anwendungen.
Bereiche von SAP NetWeaver XI im Detail
Bereich |
Beschreibung |
Zentrales Werkzeug für das Design und die Konfiguration des kollaborativen Prozesses. In diesem Abschnitt sind alle grundlegenden Funktionen des Integration Builders beschrieben. Alle Teilbereiche des Designs und der Konfiguration und deren (oftmals graphischen) Editoren im Integration Builder sind in den Unterabschnitten zum Design und zur Konfiguration dokumentiert (siehe unten). |
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Organisation von Objekten innerhalb von SAP NetWeaver XI, Versionierung und Transport dieser Objekte. |
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Design (Integration Repository) |
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Design des kollaborativen Prozesses auf Ebene von Anwendungskomponenten. Im Integration Builder dienen Integrationsszenarien als zentraler Einstieg, um das Zusammenspiel aller beteiligten Objekte (Interfaces, Mappings, Integrationsprozesse) zu verstehen. Außerdem können Sie das Design zur Konfigurations-Zeit nutzen, um den kollaborativen Prozess auf die aktuelle Systemlandschaft abzubilden. |
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Design von ausführbaren Integrationsprozessen. Systemübergreifende Integrationsprozesse unterstützen eine zustandsbehaftete Verarbeitung von Messages auf dem Integration Server. |
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Beschreibung und Verwendung von Messages in Interfaces für den Message-Austausch. Sie können Interfaces im Integration Builder anlegen und über die Proxy-Generierung ausführbare Proxies in SAP-Anwendungssysteme generieren. Außerdem können Sie über den Integration Builder Message-Schemata und SAP-Interfaces in das Integration Repository importieren, um sie im weiteren Design-Prozess zu verwenden. |
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Design von graphischen Message-Mappings beziehungsweise Import von Java- und XSLT-Mappings, und wie Sie diese Mapping-Programme für Ausgangs- und Ziel-Interface registrieren. |
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Konfiguration (Integration Directory) |
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Beschreibung der technischen Möglichkeiten von Sendern und Empfängern (und wie man sie identifiziert) über Kommunikationspartner, Services und Kommunikationskanälen. |
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Beschreibung auf logischer Ebene, an welchen Service eine Message geschickt werden soll. Der Service kann ein Business-System, ein Integrationsprozess oder ein Service für eine B2B-Kommunikation sein. |
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Zuordnung eines Empfänger-Interface zum Sender-Interface. Hier registrieren Sie auch, ob und welche Mapping-Programme für dieses Interface-Paar aus dem Integration Repository ausgeführt werden sollen. |
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In einer Kommunikationsvereinbarung legen Sie für eine bestimmte Kombination von Sendern und Empfängern fest, welcher Kommunikationskanal für die Verarbeitung der Message verwendet werden soll. |
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Gruppieren aller Konfigurationsobjekte nach dem Szenario, in dem sie benötigt werden. Sie können Integrationsszenarien aus dem Integration Repository für ein Konfigurationsszenario im Integration Directory übernehmen. |
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Zentrale Laufzeitkomponente des Integration Servers, um Messages zu empfangen, zu verarbeiten und weiterzuleiten. |
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Laufzeitkomponente für die Proxy-Kommunikation von dem Integration Server mit Anwendungssystemen, die auf dem SAP Web AS basieren. |
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Laufzeitkomponente, um mit Hilfe von Adaptern Fremdsysteme, sowie R/3-Systeme über RFC-Aufrufe an den Integration Server anzuschließen. Der IDoc-Adapter und der Plain-HTTP-Adapter laufen unabhängig von der Adapter Engine. |
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Funktionen zum Überwachen der beteiligten Komponenten von SAP NetWeaver XI, der Message-Verarbeitung durch eine oder mehrere Komponenten, sowie der Performance der Message-Verarbeitung. |
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Zusätzliche Werkzeuge (optional)
Werkzeug |
Verwendung |
ARIS for SAP NetWeaver |
Ergänzt SAP NetWeaver um Funktionen zur graphischen Modellierung von Prozessen auf verschiedenen Ebenen. Auf der obersten Ebene (Process Architecture Model) wird die Prozessarchitektur eines Unternehmens aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ohne technischen Bezug aufgebaut. ARIS for SAP NetWeaver finden Sie im SAP Software Distribution Center auf dem SAP Service Marketplace unter der Internetadresse service.sap.com/swdc. |
Ergänzt SAP NetWeaver um Funktionen zur Datenumwandlung von und nach XML. Es können unstrukturierte, halbstrukturierte und strukturierte Daten verarbeitet werden. Der Conversion Agent kann über ein Adapter-Modul im Adapter-Framework der SAP NetWeaver Exchange Infrastructure aufgerufen werden. SAP Conversion Agent by Itemfield finden Sie im SAP Software Distribution Center auf dem SAP Service Marketplace unter der Internetadresse service.sap.com/swdc. |