JIT-Inbound (PAB, MAB)

Einsatzmöglichkeiten

Diese Komponente können Sie einsetzen, wenn Sie als Zulieferer Just-In-Time-Abrufe empfangen und beliefern. Das JIT-Inbound ist auf die Anforderungen der Automobilindustrie abgestimmt und unterstützt die beiden folgenden JIT-Abruftypen:

  • Produktionssynchroner Abruf (PAB)

Dieser Abruftyp dient zum Empfang von Abrufen, die Sie mit voll konfigurierten Komponenten auftragsbezogen und sequenzgenau beliefern. Der produktionssynchrone Abruf unterstützt den gesamten Geschäftsprozess, vom Eingang des Vorschauimpulses bis zur Erstellung der Lieferung – und wenn nötig der Lieferquittierung.

  • Mengenabrufe (MAB)

Dieser Abruftyp dient zum Empfang von Abrufen, deren Positionen ein Paar aus Termin und Menge darstellen. Die Positionen haben keinen Bezug zum Enderzeugnis und werden nicht sequenzgenau angeliefert. Die Referenznummer des Abrufs steuert nachgelagerte Prozesse, wie zum Beispiel die Lieferung. In der Praxis wird die Referenznummer auch Delivery Order Number (DON) genannt.

Das JIT-Inbound unterstützt die betriebswirtschaftlichen Ziele der JIT-Abwicklung, wie beispielsweise die Verkürzung der Durchlaufzeiten, die Optimierung der Kosten im indirekten Bereich sowie die Verhinderung von Komissionierung und Lagerhaltung im Prozess.

Einführungshinweise

Die besondere Datenhaltung und -verwaltung des JIT-Inbound ermöglicht es Ihnen, auch die üblicherweise hohen Auftragsvolumen der Automobilindustrie abzuwickeln.

Mit Hilfe der Abrufstruktur und der Abrufsteuerung können Sie das JIT-Inbound sehr flexibel an Ihren betriebswirtschaftlichen Prozess anpassen. Der Ablauf ist zu einem Großteil automatisiert.

Die Abwicklung der JIT-Abrufe mit EDI entspricht den relevanten Normen und Standards von VDA4916, EDIFACT, Odette und NC866.

Integration

  • Sie empfangen JIT-Abrufe per Electronic Data Interchange (EDI) mithilfe des eigens dafür angelegten Zwischenbelegs (IDoc).

  • Das JIT-Inbound ist in die Lieferplanabwicklung des SAP Systems integriert. In Abhängigkeit von Ihrem Geschäftsprozess können die Funktionen zusätzlicher Komponenten verwendet werden. Diese sind entweder integriert oder über das Menü unter Umgebung erreichbar. Dazu gehören die folgenden Komponenten:

Modul

Komponente (Dokumentation)

LO – Logistik Allgemein

LO – Materialstammdaten

SD – Vertrieb

SD – Grundfunktionen (Kundenstammsätze)

SD – Lieferpläne für Zulieferer (Lieferabruf, Feinabruf)

SD – Verkauf (Lieferpläne)

SD – Fakturierung

PP – Produktionsplanung und -steuerung

PP – Serienfertigung (Rückmeldung)

LE – Logistics Execution

LE – Versand (Auslieferung)

LE – Transport

Funktionen

  • Das JIT-Inbound ist in die Lieferplanabwicklung des SAP Systems integriert. Ein Kunde sendet Ihnen zunächst Lieferabrufe oder Feinabrufe, die Ihnen zur Bedarfsplanung dienen. Der eigentliche JIT-Prozess beginnt dann beispielsweise mit einem Vorschauimpuls. Aufgrund dessen wird ein produktionssynchroner Abruf (PAB) in Ihrem System angelegt und geprüft.

  • Das System erstellt eine dreistufige Abrufstruktur für jeden JIT-Abruf, der über Electronic Data Interchange (EDI) empfangen wird. Diese Struktur besteht aus dem Abrufkopf, den Teilegruppen und den Abrufkomponenten. Diese Dreistufigkeit ermöglicht es Ihnen, produktionssynchrone Abrufe für Zusammenbauten, produktionssynchrone Abrufe für diskrete Materialien und Mengenabrufe abzubilden.

  • Mithilfe der Abrufsteuerung können Sie Ihren betriebswirtschaftlichen Prozess abbilden. Die Abrufsteuerung basiert auf Aktionen, die entweder durch eingehende Abrufe oder manuell online ausgelöst werden. Eine Aktion ändert den internen Bearbeitungsstand eines Abrufs und löst gegebenenfalls Funktionen aus.

  • Die interne Steuerung und Überwachung der Abrufe führen Sie mit der Fortschrittsmeldung oder mit dem JIT-Monitoring durch. Beide Anwendungen können Sie entweder als Liste oder im grafischen JIT-Cockpit aufrufen.

  • Mit der Fortschrittsmeldung können Sie manuell für mehrere Abrufe aggregiert eine Aktion auslösen. Sie können beispielsweise für alle Abrufe, die sich in einem Verpackungsgestell befinden, die Fertigmeldung aus der Produktion durchführen. Die Fortschrittsmeldung ist auch mittels Barcodeerfassung möglich.

  • Mit dem JIT-Monitoring können Sie die Abrufe überwachen und steuern, indem Sie Detailinformationen anzeigen oder Aktionen und Sonderaktionen ausführen.

  • Die Grund- und Bewegungsdaten des JIT-Inbound sind sehr schlank und werden während des Betriebes ständig in einem Zwischenspeicher gehalten. Das ermöglicht eine hochperformante Verarbeitung des üblicherweise hohen Mengenvolumens bei jedoch sehr geringem Datenbankvolumen.

  • Sie haben verschiedene Optionen, um bei technischen oder logistischen Problemen schnell manuell eingreifen zu können. Dazu gehören die Schnelländerung oder die Statuskorrektur eines Abrufs, der Impulsmonitor sowie die Anbindung an den Workflow.

  • Die Rückmeldung der Serienfertigung (PP-REM) ist in diese Komponente integriert. Sie können eine Rückmeldung für mehrere Abrufkomponenten aggregiert und zeitlich entkoppelt vom Prozess durchführen. Die verbauten Stücklistenkomponenten entnimmt das System dabei retrograd.

  • Die Erstellung einer Lieferung ist ebenfalls integriert. Sie können in einer Lieferung die Abrufkomponenten aus verschiedenen Lieferplänen zusammenführen. Die externen Abrufnummern können Sie mit in die Lieferung übernehmen, was Ihrem Kunden eine Wareneingangsbuchung mit Bezug zu dieser Nummer ermöglicht.

Für Mengenabrufe können Sie zunächst eine Liste der versandfälligen Vorgänge erzeugen, die Sie dann gesammelt verarbeiten können.

  • Die Integration der Handling Units (HU) ermöglicht Ihnen das automatische Verpacken der JIT-Abrufe beim Erstellen der Lieferung.

  • Sie können auch interne Abrufe anlegen und produzieren, für die anfänglich keine konkrete Kundenanforderung besteht. Nach der Produktion lagern Sie die internen Abrufe in ein Pufferlager ein. Beim Eingang von JIT-Abrufen Ihrer Kunden können Sie diese direkt aus dem Pufferlager bedienen.

  • Sie können von Ihren Kunden eine Lieferquittierung empfangen und verarbeiten. Das System erstellt eine Faktura mit Bezug zur Lieferquittierung, und Sie können die Angaben des Kunden mit den Daten in Ihrem System abgleichen.

  • Sie können die Bewegungsdaten an das SAP Business Information Warehouse übertragen und dort statistisch auswerten.

  • Nachdem Sie die Abrufe abgeschlossen haben, können Sie die JIT-Daten archivieren und aus der Datenbank löschen.

Einschränkungen

Bei produktionssynchronen Abrufen werden die abgerufenen Materialien oft anhand von Komponentenlisten montiert. Abgesehen vom Ausdruck von Komponentenlisten unterstützt JIT-Inbound die Fertigungssteuerung nicht. Sie können jedoch mithilfe von BAPIs eine Verbindung zu einem Sub-System herstellen und die JIT-Daten übertragen.