Unfallkataster

Definition

Objekt, das die Basis für die Erfassung und Abwicklung von Ereignissen bildet, bei denen Personen erkrankten, verletzt oder getötet wurden, Sachschaden entstand oder die Möglichkeit der Schadensentstehung gegeben war. Beispiele hierfür sind:

  • Betriebsunfälle und Beinaheunfälle

  • Vorfälle

  • arbeitsbedingte Erkrankungen

Verwendung

Sie erfassen die Daten eines Ereignisses mit Hilfe eines Eintrags im Unfallkataster. Anhand dieses Eintrags können Sie alle für die Abwicklung des Ereignisses nötigen Aktionen durchführen. Sie können beispielsweise:

  • aus den Ereignisdaten Berichte generieren, diese versenden und sichern (beispielsweise die für die Bundesrepublik Deutschland gültige Unfallanzeige)

  • Informationen zum Ereignis in Form einer Nachricht an SAP-Benutzer oder an externe Empfänger verteilen

  • die Ereignisdaten nach Microsoft Excel exportieren

  • die Ereignisdaten mit Hilfe der Komponente Auswertungen (EHS-IHS-REP) sowie über Microsoft Excel statistisch auswerte

Struktur

Ein Eintrag im Unfallkataster ist folgendermaßen strukturiert: er besteht aus einem Kopfbereich sowie den verschieden Registerkarten, die Sie im Customizing nach den Bedürfnissen Ihres Unternehmens anpassen können. Sie können auch eigene Registerkarten definieren. Auf der Registerkarte Beteiligte können Sie in Detailinformationenverzweigen.

Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die im Standard ausgelieferte Struktur:

Kopfbereich

Schlüssel und Art des Unfallkatastereintrags

Diese Angaben identifizieren und klassifizieren das Ereignis.

Meldepfl. Ereignis

Todesfall Produktionsausfall

Kennzeichen, die die Schwere des Ereignisses beschreiben.

Für das Kennzeichen Meldepfl. Ereignis (meldepflichtiges Ereignis) können Sie mit Hilfe eines Business Add-Ins (BAdI) eine Erweiterung anlegen. Weitere Informationen zu diesem BAdI finden Sie im Einführungsleitfaden (IMG) des Arbeitsschutzes unter BAdI: Ermittlung des Meldepflichtkennzeichens am Unfallkopf

Status des Unfallkatastereintrags

Zeigt den Bearbeitungsstatus des Eintrags an (siehe Statusbearbeitung für den Unfallkatastereintrag).

Eintragssprache

Sie benötigen die Sprachangabe für die Zeichenkonvertierung mit Hilfe des EH&S Native Language Supports (EH&S NLS).

Sie generieren Dokumente wie z. B. die Unfallanzeige aus Daten des SAP-Systems. Die Ausgabe dieser Daten muss in allen im SAP-System möglichen Sprachen korrekt sein. Dazu werden in bestimmten Fällen Daten durch den EH&S NLS anhand der Eintragssprache konvertiert. Weitere Informationen zum EH&S NLS finden Sie in der Komponente Grunddaten und Werkzeuge (EHS-BD) unter EH&S Native Language Support.

Ereigniszeitpunkt

Umfasst das Ereignisdatum und die Uhrzeit. Wenn im Customizing der Grunddaten und Werkzeuge der Umgebungsparameter IHS_USE_TIMEZONE gesetzt ist, wird außerdem die jeweilige Zeitzone angezeigt.

Ereignis

Bis zu 60 Zeichen lange Beschreibung des Ereignisses.

Registerkarte Ereignisort

Ereignisort

Werk

Identifiziert das Werk, in dem das Ereignis vorfiel.

Arbeitsbereich

Identifiziert den betroffenen Arbeitsbereich innerhalb des Werks.

Unfallort

Identifiziert den Unfallort im Arbeitsbereich.

Hinweis Hinweis

Sie müssen die Unfallorte in der Arbeitsbereichsverwaltung mit Hilfe der Funktion Unfallorte angelegt haben.

Ende des Hinweises

Beschreibung

Sie können eine bis zu 60 Zeichen lange ergänzende Beschreibung des Ereignisorts erfassen.

Beschädigung

Technischer Platz, Equipment, Maschine

Sie können aus den am Arbeitsbereich in der Funktion Datenintegration hinterlegten Daten den Technischen Platz, das Equipment und die beschädigte Maschine angeben.

Art der Beschädigung, Kennzeichen

Instandhaltung

Sie können die Art der Beschädigung durch einen Phrasentext näher erläutern. Zusätzlich können Sie ein Kennzeichen setzen, das die Notwendigkeit einer Instandhaltungsmaßnahme signalisiert.

Registerkarte Beteiligte

Rolle

Gibt an, auf welche Weise die Person am Ereignis beteiligt ist, z. B. betroffene Person, Zeuge, Ersthelfer.

Welche Rollen Sie unterscheiden, stellen Sie im Customizing des Arbeitsschutzes unter Rollen beteiligter Personen festlegen ein.

Identifikation (ID), Personengruppe und Name der jeweiligen Person

Die Personengruppe legt fest, ob es sich bei der Person um einen Mitarbeiter, einen Bewerber oder eine externe beteiligte Person handelt.

Zeuge für betroffene Person

Wenn Sie einen Zeugen erfassen, können Sie angeben, auf welche betroffene Person sich seine Zeugenaussage bezieht.

Daten aus der Personaladministration

Diese beinhalten u.a. die Anschrift und das Geburtsdatum der beteiligten Person. Da die Funktion als User-Exit ausgeführt ist, können Sie sie nach Ihren Bedürfnissen anpassen. Weitere Informationen hierzu finden Sie im IMG der Grunddaten und Werkzeuge unter User-Exits verwalten.

Sie erreichen die Daten, indem Sie die Person markieren und die Drucktaste mit Quick-Info Personaldaten wählen.

Zusatzinformationen

Diese beinhalten u. a. den Aussagezeitpunkt und eine beliebig lange Beschreibung des Unfallhergangs in Form eines SAPscript-Textes.

Sie erreichen die Daten, indem Sie die Person markieren und die Drucktaste mit Quick-Info Zusatzinformationen wählen.

Details zu einer betroffenen Person

Diese Daten befinden sich in einem separaten Dialog, den Sie pro betroffene Person über die Drucktaste Details erreichen. Der Dialog beinhaltet z. B. folgende Informationen:

  • ID des Unfallkatastereintrags, auf den sich das Detail bezieht

  • Unfalltyp (z. B. Dienstwegeunfall, Arbeitsunfall)

  • Kennzeichen: Meldepfl. Unfall (meldepflichtiger Unfall)

    Sie können das Kennzeichen Meldepfl. Unfall von Hand setzen. Wenn Ihr System entsprechend eingestellt ist, kann darüber hinaus eine Prüfung erfolgen und das Kennzeichen ggf. durch das System gesetzt werden. Für die Prüfung wird ein User-Exit ausgeliefert. Dieser vergibt das Kennzeichen in der Standardauslieferung gemäß deutschem Recht. Er hebt manuelle Vergaben oder frühere Berechnungen nicht auf. Weitere Informationen zum User-Exit finden Sie im IMG der Grunddaten und Werkzeuge unter User-Exits verwalten.

  • Kennzeichen: Todesfall

  • Kennzeichen: Vertraulich

    Bei manchen Berichten, darf der Name der betroffenen Person nicht auf dem Bericht erscheinen. In solchen Fällen wertet das System bei der Berichtsgenerierung das Kennzeichen Vertraulich aus und gibt ggf. an Stelle des Namens einen entsprechenden Vermerk aus. Ein Anwendungsbeispiel hierfür ist der Bericht OSHA 300. OSHA 300 ist einer der Berichte, die in den USA gemäß dem Occupational Safety and Health Act (OSHA) für arbeitsbedingte Verletzungen und Erkrankungen erstellt werden müssen.

  • Status der Daten zur betroffenen Person

Registerkarte Behandlung

Enthält Angaben zur Behandlung wie z. B. erstversorgender Arzt, Weiterbehandlung sowie Felder zur Erfassung von Bemerkungen für interne und externe Zwecke in Form von SAPscript-Texten beliebiger Länge.

RegisterkarteVerl./Erkr. (Verletzung oder Erkrankung)

Enthält Angaben zur Verletzung oder Erkrankung. Sie können Haupt- und Altverletzungen durch ein Kennzeichen kenntlich machen.

Hinweis Hinweis

Die Eingabefelder werden über Phrasen bewertet.

Ende des Hinweises

Registerkarte Zeitdaten

Enthält Angaben zur Arbeitszeit, Abwesenheitsdauer und zur Berufserfahrung .

Wenn die betroffene Person ein Mitarbeiter ist, können die genannten Angaben über die Integration in die Komponente Personalzeitwirtschaft (PT) aus dem SAP-System bezogen werden bzw. im Falle der Abwesenheiten dort sogar angelegt werden (siehe Integration in die Personalzeitwirtschaft).

Registerkarte Arbeitsschutzdaten

Beinhaltet folgendes:

  • Angaben zu Schutzausrüstung und unfallverhütenden Maßnahmen (z. B. persönliche Schutzausrüstung)

  • Auswertungsparameter wie den Unfallauslöser (Gegenstand oder Substanz) oder die Tätigkeit des Verletzten

Registerkarte(n) für individuelle Zusatzinformationen

Wenn im Customizing die nötigen Einstellungen vorhanden sind, stehen Ihnen Registerkarten zur Verfügung, auf denen Sie die von Ihrer Firma ergänzend benötigten Informationen erfassen können. Siehe: Nutzung des Klassensystems.

Unfallberichte

Wenn Sie die Drucktaste Unfallberichte wählen, wird das Berichtsinformationssystem aufgerufen und Sie erhalten einen Berichtsbaum mit allen für die betroffene Person generierbaren Berichten.

Die Berichte können Sie generieren, versenden und sichern.

Registerkarte Recherche

siehe Ursachenanalyse

Mit Hilfe dieser Registerkarte können Sie eine schematische Ursachenanalyse durchführen und ein Ermittlungsergebnis in Form eines SAPscript-Textes beliebiger Länge erfassen.

Zusatzregisterkarten

Kundenindividuell gestaltbare Registerkarten

Wenn im Customizing die nötigen Einstellungen vorhanden sind, stehen Ihnen Registerkarten zur Verfügung, auf denen Sie die von Ihrer Firma ergänzend benötigten Informationen erfassen können. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Nutzung des Klassensystems.

Integration

Innerhalb des Arbeitsschutzes

Sie können zu einem Eintrag im Unfallkataster Arbeitsschutzmaßnahmen anlegen ( Maßnahmen).

Mit anderen Komponentendes SAP EH&S

Unfalldaten, die bereits im Ambulanzbuch der Komponente Arbeitsmedizin (EHS-HEA) erfasst wurden, können in das Unfallkataster übernommen werden. Dabei werden Daten, die nur für die Arbeitsmedizin relevant sind (z. B. Hilfe- und Nachsorgeleistungen) nicht in das Unfallkataster übertragen.

Zusätzlich besteht eine Integration mit dem Medizinischen Service der Arbeitsmedizin (siehe Integration Unfallkataster – Med. Service – Ambulanzbuch).

Mit anderen Komponenten des SAP-Systems

Durch die Integration mit den Komponenten Personalmanagement (PA) und Personalzeitwirtschaft (PT) können Sie organisatorische Daten sowie Informationen zu Arbeits- und Ausfallzeiten aus dem Personalwesen beziehen. Unfallbezogene Abwesenheiten können Sie zudem in der Personalzeitwirtschaft anlegen.

Durch die Anbindung an das Klassensystem (CA-CL) können Sie das Unfallkataster kundenindividuell anpassen.

Durch die Integration mit der Dokumentenverwaltung (CA-DMS) können Sie einem Unfallkatastereintrag Dokumente zuordnen, die außerhalb des SAP-Systems erstellt wurden. Solche Dokumente können beispielsweise Unfallskizzen, Photos oder Polizeiberichte sein. Sie können die Dokumente im SAP-System ablegen und nach der Zuordnung direkt aus dem betreffenden Unfallkatastereintrag aufrufen.