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Hintergrunddokumentation Kapitalkosten auf Marktsegmenten (R/3 CO-PA) Dokument im Navigationsbaum lokalisieren

Grundidee der kalkulatorischen Ermittlung von Kapitalkosten

Wie bereits beschrieben, kann man in der Profit-Center-Rechnung in SAP R/3 Kapitalkosten berücksichtigen, indem Stichtagsbestände (Anlagen, Materialbestände und Forderungen) bzw. Durchschnittsbestände (ab Release 4.0) eines Verantwortungsbereiches kalkulatorisch verzinst und im Profit-Center-Ergebnis dargestellt werden.

Ergänzend zu diesem Ansatz soll nun erläutert werden, wie man im Rahmen einer internen Ergebnisrechnung für Zwecke der Entscheidungsfindung Kapitalkosten auf einer wesentlich detaillierteren Ebene berücksichtigen kann. Insbesondere für längerfristige Entscheidungen reicht es nicht aus, lediglich das operative Ergebnis auf Artikel-, Kunden- oder Verkaufsorganisationsebene zu zeigen. Von ähnlich hoher Bedeutung sind sicherlich Fragestellungen wie: Wie hoch ist eigentlich die Kapitalbindung, die durch einzelne Produkte oder Produktgruppen in sicherlich unterschiedlichem Maße verursacht wird? Wie stark beeinflußt das Zahlungsverhalten unterschiedlicher Kunden und Kundengruppen die Profitabilität der einzelnen Geschäftsvorfälle? Im SAP-System kann dies in der Komponente Ergebnis- und Marktsegmentrechnung (CO-PA) abgebildet werden.

Der hier beschriebene Ansatz beruht auf der Grundidee, daß sich Standardannahmen finden lassen, mit der die verursachten Kapitalkosten auf der Ebene des einzelnen Geschäftsvorfalls errechnet werden können. Genauso wie man anhand der Region des Kunden und des Gewichts des Produktes ungefähre kalkulatorische Frachtkosten ermitteln kann, ist es auch möglich, anhand der Zahlungsbedingungen des Kunden die voraussichtlichen Kapitalkosten bis zum Ausgleich der Forderungen zu ermitteln. Gleichzeitig kann die Richtigkeit der getroffenen Annahmen in Summe auf der aggregierten Ebene der Profit-Center überprüft werden.

Diese Annahmen können dann im Rahmen der umfangreichen Bewertungsfunktionen der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung abgebildet und auf der Ebene des Geschäftsvorfalls in zusätzlichen Zeilen (Wertfeldern) des Ergebnisberichts ergänzt werden.

Auf diese Weise lassen sich beispielsweise entscheidungsrelevante Kapitalkosten durch die Nutzung teurer Fertigungsanlagen im Produktdeckungsbeitrag ausweisen. Weiterhin lassen sich zur Beurteilung der Frage, ob ein Produkt profitabel ist, logistische Kennzahlen zur Beurteilung des Lagerumschlags interpretieren. Es kann für die Beantwortung dieser Frage keinesfalls gleichgültig sein, ob ein Produkt nur wenige Tage oder vielleicht sogar Monate im Lager auf seinen Verkauf wartet und dort Kapital bindet. Sicherlich ist unbestritten, daß erst wenn diese Informationen auf einer hinreichend detaillierten Ebene vorliegen, wirksame Controllingmaßnahmen ergriffen werden können.

Im folgenden sollen betriebswirtschaftliche Beispiele diskutiert werden, wie die Ergebniswerte um Kapitalkosten ergänzt werden können. Es sollen ausgewählte Lösungsvorschläge beschrieben werden, wie Kapitalkosten für unterschiedliche Sachverhalte auf einer für Entscheidungen hinreichend detaillierten Ebene ermittelt werden können.

Kalkulatorische Kapitalkosten für Anlagen

Berücksichtigung von Kapitalkosten durch die Inanspruchnahme von Fertigungsanlagen

In vielen Branchen ist mit zunehmender Automatisierung der Fertigung eine erhebliche Kapitalbindung durch sehr teure Fertigungsanlagen zu verzeichnen. Es ist unverzichtbar, die so entstandenen Kapitalkosten bei der langfristigen Beurteilung des Produktergebnisses zu berücksichtigen.

Im R/3-System kann man diese Anforderung abbilden, indem anteilige Kapitalkosten, beispielsweise für die Nutzung von Fertigungsanlagen, bei der Ermittlung der Produktherstellkosten berücksichtigt werden. Hierzu ist es zunächst erforderlich, daß auf den Fertigungskostenstellen kalkulatorische Zinsen für Fertigungsanlagen geplant bzw. aus FI-AA übernommen werden. Die anschließende Ermittlung der Maschinenstundensätze beinhaltet somit anteilig Kapitalkosten, die mit Hilfe der Primärkostenschichtung (verfügbar ab Release 4.0) in separate Herstellkostenelemente in CO-PC gesteuert werden können.

In der Ergebnisrechnung können nun die abgesetzten Produkte mit dieser erweiterten Herstellkostenschichtung bewertet werden, so daß auf Produktebene die verursachten Kapitalkosten im Deckungsbeitragsschema in separaten Zeilen dargestellt werden können.

Natürlich beruhen die so errechneten Kapitalkosten auf der Annahme, daß die in der Kostenstellenrechnung geplante Auslastung auch tatsächlich eintrifft. Weicht die tatsächliche Auslastung von der geplanten Auslastung ab, werden analog zu allen anderen Fixkosten entweder zuviel oder zuwenig Kapitalkosten auf das einzelne Produkt verrechnet. Es handelt sich also zusammenfassend um ungefähre Kapitalkosten, deren Richtigkeit erst auf einer aggregierten Ebene – beispielsweise durch Vergleich mit den Werten der Profit-Center-Rechnung – überprüft werden kann.

Berücksichtigung von „nicht direkt zurechenbaren“ Kapitalkosten für Anlagen

Neben den „direkt zurechenbaren“ Kapitalkosten wird im Unternehmen eine umfangreiche Infrastruktur durch Fuhrpark, Gebäude und sonstige Anlagen genutzt. Die so entstandenen Kapitalkosten können nicht ohne weiteres auf Produkte verrechnet werden, weswegen wir in diesen Fällen empfehlen, die so entstandenen Kapitalkosten zunächst auf den verantwortlichen Kostenstellen zu planen bzw. im Ist zu buchen. Hierzu können entsprechende kalkulatorische Zinsen automatisch aus FI-AA an die Kostenstellenrechnung übergeben werden.

Am Periodenende werden dann die entsprechenden Kostenstellen inklusive der Kapitalkosten auf diejenigen Ebenen in der Ergebnisrechnung verrechnet, denen die Kosten ohne Schlüsselung zugeordnet werden können (z.B. Sparten). Im SAP-System pflegt man hierzu sogenannte Umlagezyklen, die es ermöglichen, unterschiedliche Ursprungskostenarten in entsprechende Ergebniszeilen, sprich Wertfelder zu steuern. Mit diesem Ansatz können auch hier Kapitalkosten in separaten Zeilen des Deckungsbeitragsschemas dargestellt werden.

Kalkulatorische Kapitalkosten für Lagerbestände

Als weiterer wesentlicher Kostenblock sind Kapitalkosten für Lagerbestände zu betrachten. Es wird im folgenden unterschieden, ob es sich um Lagerbestände für Roh- und Halbfabrikate handelt, die im Rahmen der Produktion erforderlich sind, oder ob wir von Vertriebslagern und damit von verkaufsfähigen Fertigfabrikaten reden.

Bei Lagerbeständen der Produktion unterscheiden sich die Annahmen zur Ermittlung der Kapitalkosten nicht prinzipiell von den typischen Gemeinkosten, die in der Produktkostenplanung häufig über Zuschlagssätze für Lagerkosten, Materialhandling oder auch Beschaffung erhoben werden. Wir reden hierbei wohlgemerkt nicht von pauschalen prozentualen Zuschlägen, sondern vielmehr von mengenabhängigen Zuschlägen, bei denen beispielsweise für jede Entnahme eines Roh- oder Halbfabrikates die angefallenen Kapitalkosten berücksichtigt werden können. Ein Zahlenbeispiel soll dies verdeutlichen: Man weiß bei der Ermittlung Ihrer Produktkosten, daß voraussichtlich 8 kg chemische Grundstoffe zur Erzeugung Ihres Fertigfabrikates benötigt werden. In der Logistik kennt man die Umschlaghäufigkeit, den durchschnittlichen Verbrauch und auch den durchschnittlichen Bestand pro Monat. Nimmt man ferner an, daß der durchschnittliche Bestand/Monat 300 kg und der durchschnittliche Verbrauch/Monat 1200 kg beträgt, ist es nun ein Leichtes zu errechnen, daß die durchschnittliche Verweilzeit am Lager ungefähr 7,5 Tage beträgt, so daß bei einem Materialwert von 90 $/kg die Kapitalkosten ungefähr 0,75 $ betragen. Im SAP-System kann man diese mengenabhängigen Zuschlagssätze in der Zuschlagsrechnung hinterlegen und letztlich auch hier wieder die Kapitalkosten als separates Herstellkostenelement im Rahmen der Produktkostenermittlung füllen.

Ergänzend zum oben dargestellten Zahlenbeispiel ist nun noch zu unterscheiden, ob es sich um eigengefertigte oder fremdbeschaffte Produkte handelt. Bei fremdbeschafften Produkten vermindert sich zusätzlich die zu berücksichtigende Kapitalbindung  durch einen zinslosen Lieferantenkredit, welcher insbesondere im Handelsgeschäft nicht vernachlässigbar ist. Man muß daher bei der Ermittlung der Kapitalkostensätze noch ein durchschnittliches Zahlungsziel berücksichtigen, welches die Lieferanten gewähren.

Im SAP-System werden Kapitalkosten für Vorräte der Produktion und Kapitalkosten für Fertigwaren vollkommen unterschiedlich abgebildet: Während die Lagerkosten der Produktion über Zuschläge in die Produktherstellkosten einfließen, werden die Kapitalkosten für Fertigfabrikate zum Transaktionszeitpunkt der Ausgangsrechnung mit Hilfe der Bewertungsfunktionen in der Ergebnisrechnung ermittelt. Zu diesem Zweck kann man mit Hilfe der Konditionstechnik in der Ergebnisrechnung entsprechende Kapitalkostensätze hinterlegen oder einspielen. Ist eine umfangreichere Berechnungslogik gewünscht, bietet sich darüber hinaus der Bewertungsexit an, um weitergehende Berechnungsmodelle abzubilden.

Kalkulatorische Kapitalkosten für ausstehende Forderungen

Abschließend soll der Lösungsansatz zur Abbildung von Kapitalkosten auf ausstehende Forderungen erörtert werden. Auch hier ist es zur Beurteilung der Kundenprofitabilität sinnvoll, die so entstandenen Kapitalkosten auf Kundenebene darzustellen.

Ähnlich, wie zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung kalkulatorische Skonti berücksichtigt werden, kann auch in diesem Fall die voraussichtliche Kapitalbindung berücksichtigt werden. Analog zu den anderen bereits beschriebenen Fällen kann man in der Ergebnisrechnung die Zahlungsbedingungen im Kundenstamm mit Hilfe des Bewertungsexits nachlesen und auf diese Weise ein zusätzliches Wertfeld „kalkulatorische Kapitalkosten“ versorgen. Hierbei wird für den zugrundeliegenden Rechnungsbetrag (also den Nettoerlös) die Zeitspanne zwischen Rechnungsdatum und voraussichtlichem Zahlungsdatum ermittelt und mit einem Opportunitätszins verzinst.

Betriebswirtschaftliche Beurteilung

Es wurden im letzten Abschnitt einige Beispiele vorgestellt, wie Kapitalkosten auf der Ebene des einzelnen Geschäftsvorfalls berücksichtigt werden können. Obwohl die besprochenen Annahmen einen verursachungsgerechten Zusammenhang mit der Kapitalbindung abbilden, werden in den meisten Fällen nur ungefähre Kapitalkosten ermittelt.

Dies kann bei der Berücksichtigung von Kapitalkosten in den Produktherstellkosten damit zusammenhängen, daß die tatsächliche Auslastung der Kostenstellen stark von der geplanten Auslastung abweicht. Darüber hinaus legen wir bei unseren Annahmen häufig Durchschnittswerte der Vergangenheit zugrunde, die sich natürlich in der Praxis sprunghaft ändern können. Doch dies sind prinzipielle Probleme einer auf Standards beruhenden Kostenrechnung. Sie werden dadurch gelöst, daß am Periodenende die Gegenüberstellung mit den Istzahlen auf einer aggregierten Ebene erfolgt.

In unserem Modell werden demzufolge die Kapitalkosten zum Zweck der Entscheidungsunterstützung auf Kunden-/Artikelebene in der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung kalkuliert. Auf einer aggregierten Ebene, beispielsweise auf Unternehmens- oder Profit-Center-Ebene, kann nun die Richtigkeit der getroffenen Annahmen überprüft werden, indem die tatsächlich entstandenen Kapitalkosten mit den auf Kunden-/Artikelebene gerechneten Kapitalkosten in Summe verglichen werden.

Zusammenfassend verbindet also dieser Ansatz die Vorteile einer entscheidungsorientierten Rechnung mit einer regelmäßigen Kontrollfunktion zu einer zukunftsweisenden, renditeorientierten Ergebnisbetrachtung.

 

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