
Vendor-Managed-Inventory (VMI)
Einsatzmöglichkeiten
Dieses Szenario beschreibt, wie ein Lieferant die Disposition für seine Artikel im Unternehmen eines Kunden als Dienstleistung übernimmt. Voraussetzung für diese Dienstleistung ist, daß der Lieferant Zugriff auf Bestands- und Abverkaufsdaten aus dem Unternehmen des Kunden hat.
In einem R/3-System können Sie Vendor-Managed-Inventory (VMI) sowohl aus Sicht eines Lieferanten als auch aus Sicht eines Kunden realisieren. Ein typischer Anwendungsfall für VMI ist z.B. die Disposition von Konsumgütern in einem Handelsunternehmen durch den Hersteller dieser Güter.
Sie können die Funktionen für VMI auch unabhängig voneinander und ggf. auch in einem anderen Zusammenhang als VMI verwenden.
Integration
Die folgenden R/3-Komponenten kommen dabei zum Einsatz:
Komponente |
Funktion |
Lieferant (im System des Kunden) |
Senden von Bestands- und Abverkaufsdaten |
Kundenauftrag (im System des Lieferanten) |
Empfangen von Bestands- und Abverkaufsdaten über EDI Durchführen der Nachschubplanung für Kunden |
Einkauf (im System des Kunden) |
Anlegen einer Bestellung zu einer per EDI eingehenden Bestellbestätigung |
Ablauf
Es wird angenommen, daß der Lieferant und der Kunde jeweils ein R/3-System einsetzen.

Der Kunde sendet über den Nachrichtentyp PROACT historische oder prognostizierte Abverkaufsdaten und den aktuellen Bestand eines bestimmten Artikels an den Lieferanten.
Weitere Informationen finden Sie unter
Bestände/Abverkäufe an Lieferanten versenden.Im System des Lieferanten werden die Abverkaufsdaten des Artikels in der Informationsstruktur S130 des Informationssystems fortgeschrieben. Die Bestandsdaten werden in den Nachschubdaten dieses Artikels eingetragen.
Anhand der Abverkaufsdaten kann der Lieferant eine Prognose der zu erwartenden Abverkäufe im Unternehmen des Kunden durchführen. Er kann alternativ auch auf Prognosewerten aufbauen, die ihm der Kunde übermittelt hat.
Auf Basis der aktuellen Bestände und ggf. der Prognosewerte führt der Lieferant eine Nachschubplanung für den Artikel durch. Die Nachschubplanung errechnet den Bedarf und generiert einen Kundenauftrag als Folgebeleg.
Die Kundenauftragsdaten werden als Bestellbestätigung per EDI an den Kunden gesendet. Dazu wird der Nachrichtentyp ORDRSP verwendet.
Weitere Informationen finden Sie unter
Kundennachschub.Die empfangene Bestellbestätigung des Lieferanten wird im System des Kunden verarbeitet und in eine entsprechende Bestellung umgesetzt. Wenn keine Bestellung generiert werden kann, z.B. weil die Daten unvollständig sind, wird ein Workflow angestoßen.
Wenn zu einem späteren Zeitpunkt Folgenachrichten zu diesem Vorgang vom Lieferanten an den Kunden gesendet werden sollen (z.B. Auftragsänderungsmitteilungen oder Lieferavise), muß die Bestellnummer dem System des Lieferanten bekanntgegeben werden. Das Lieferantensystem kann die Nummer dann als Identifikator in die Folgenachrichten eintragen und ermöglicht es dadurch dem System des Kunden, sofort die betroffene Bestellung zu ermitteln.
Wenn die Bestellnummer nach der Bestellgenerierung automatisch an das System des Lieferanten übertragen werden soll, müssen Sie die Partnervereinbarung für den EDI-Nachrichtentyp ORDCHG mit der Nachrichtenvariante VMI pflegen.
Die Bestellnummer aus dem System des Kunden wird als Referenz in den zugehörigen Kundenauftrag eingetragen.