Prolongationstableau  

Definition

Ein Prolongationstableau ist der Ort, an dem aktuelle Konditionen für die maschinelle Erstellung von Prolongationsangeboten bzw. -verträgen festgesetzt werden.

Ein Tableau besteht aus verschiedenen Varianten und Modifikationen, die jeweils ein aktuelles Konditionspaket für einen bestimmten Festschreibungszeitraum enthalten. Mit Hilfe des Tableaus werden die Varianten den selektierten Darlehensbeständen zugewiesen. Tableaus werden eingesetzt, um Standardabläufe zu automatisieren.

Diese Funktion kann nur bei vergebenen Darlehen verwendet werden.

Struktur

Ein Tableau ist aufgebaut aus einem Tableaukopf, der Tableau- und Versionsbezeichnung, dem Gültigkeits- und Reservierungszeitraum des Tableaus sowie aus Verknüpfungen zu beliebig vielen Varianten und ggf. beliebig vielen Modifikationen.

Die Varianten, die in einem Variantenbild angezeigt werden bzw. angelegt werden können, enthalten die wesentlichen Konditionen der kreditgebenden Institution. Der Prolongationsbestand kann zur methodischen Bearbeitung nach unterschiedlichen Auswahlbedingungen wie z.B. Darlehensnummern, Beträgen, Restlaufzeiten oder Vertragswährungen geordnet werden. Somit lassen die Auswahlbedingungen eine Variante nur für bestimmte Darlehen zu.

 

Reihenfolge der Varianten

Für die Erstellung eines Vertrags ist die Reihenfolge, in der die Varianten angelegt werden, zu beachten, da für die Ermittlung der neuen Vertragskonditionen nur die an erster Stelle stehende, gültige Variante übernommen wird. Die restlichen Varianten bleiben unberücksichtigt.

Falls jedoch dem Darlehensnehmer zuerst alle möglichen Angebote zur Auswahl unterbreitet werden, spielt diese Reihenfolge keine Rolle, da nun aus allen Varianten, die für ein bestimmtes Darlehen gelten, Angebote erstellt werden.

Minus- bzw. Plustoleranzen bei Varianten

Die Minustoleranz wird bei einer Variante angewandt, wenn geprüft werden soll, ob die Selektion der Variante durch das neue Festschreibungsdatum erlaubt wird. Eine Variante über vier Jahre ohne Minustoleranz kann nur für Darlehen mit einer Laufzeit größer/gleich vier Jahre selektiert werden. Wenn eine Minustoleranz über sechs Monate hinzugefügt wird, kann die Variante zusätzlich für Darlehen mit einer Laufzeit zwischen dreieinhalb bzw. vier Jahren gelten. Minustoleranzen können zu einer Verkürzung der bei einer Prolongation ermittelten Festschreibungsperiode führen.

Die Plustoleranz bei einer Variante wird angewandt, um die bei der Prolongation ermittelte Festschreibungszeit zu verlängern. Würde z. B. während der Prolongation ein Darlehen mit einer Laufzeit über viereinhalb Jahre ein Angebot über eine vierjährige Periode erhalten, so müßte an dieser Stelle das Darlehen - ohne eine Plustoleranz - kurz vor dem Laufzeitende neu prolongiert werden. Eine sechsmonatige Plustoleranz würde bedeuten, daß die Variante über die gesamte restliche Laufzeit angewandt werden kann. Alle Darlehen deren Laufzeitende nicht innerhalb der nächsten vier bis viereinhalb Jahre liegt, werden von dieser Plustoleranz nicht betroffen.

Integration

Durch das Anlegen einer Variante können folgende, im zu prolongierenden Vertrag vorgegebene Konditionsfelder sowohl innerhalb des Konditionskopfes als auch innerhalb der Konditionspositionen geändert werden.

Konditionsfelder, die den Konditionskopf betreffen

 Effektivzins

Die Berechnung des Effektivzinses erfolgt automatisch durch die Prolongation. Der Effektivzins ist der anfängliche Effektivzins zum neuen Festschreibungsbeginn und wird für den Zeitraum der neuen Festschreibungszeit berechnet.

Das Konditionsfeld Effektivzins innerhalb einer Variante hat somit keine Funktion, sondern stellt nur ein Informationsfeld dar.

Konditionsfelder, die die Nominalzinskonditionspositionen betreffen

Geben Sie in diesem Feld eine '0' ein, so bleibt, falls ein fester Nominalzinssatz gegeben ist, dieser erhalten.

Konditionsfelder, die die Tilgungskonditionspositionen betreffen

Konditionsfelder, die die Tilgungsverrechnungskonditionspositionen betreffen

 

Beispiel 1

Mögliche Beispiele für das Anlegen von Tableaus

Sie möchten in einem Unternehmen alle Darlehen prolongieren, die eine aktuelle Festschreibungszeit von drei Jahren haben und deren Festschreibung innerhalb der nächsten zwei Monate abläuft.

Die neue Festschreibungszeit soll über vier Jahre mit einem Zinssatz von 6% laufen. Für Darlehen mit einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren gilt für diesen bestimmten Zeitraum ein Zinssatz von 5%. Alle restlichen Darlehen (Restlaufzeit > 2,5 Jahre) behalten den festgesetzten Zinssatz für die vierjährige Periode bei.

In dem Tableau werden zwei Varianten angelegt.

  1. Die erste Variante benutzt den für vier Jahre gültigen Zinssatz. Die Minustoleranz für diese Variante beträgt 18 Monate, da sie für alle Darlehen mit einem Laufzeitende größer als zweieinhalb Jahre gelten soll.
  2. Die zweite Variante soll die Bedingungen für die zweieinhalbjährige Periode erhalten. Es können hier Toleranzen gesetzt werden, um für Darlehen mit einer Restlaufzeit von weniger als zweieinhalb Jahren auch einen Zinssatz von 5% bis zum Laufzeitende zu erhalten.

Bei der Konfiguration des Hauptordners geben Sie als Hauptauswahlbedingung an, daß alle Darlehen mit einem bestimmten Festschreibungsanfangsdatum und einem bestimmten Festschreibungsendedatum selektiert werden sollen.

Für den Prolongationsablauf wird die Hauptordnerstruktur gefüllt. Nachdem Sie alle zu bearbeitenden Darlehen markiert haben, können Sie die Funktion zur Erstellung eines Vertrages mit dem neuen Tableau anstoßen.

Beispiel 2

Sie möchten in einem Unternehmen alle Darlehen mit einem Festschreibungszeitende innerhalb der nächsten zwei Monate prolongieren. Ihre Darlehensnehmer werden von Ihnen Angebote entsprechend der unten aufgeführten Tabelle erhalten:

Produktart

E/A-Satz (Disagio)

Restkapital >500.000

Angebot

HYP

100%

ja

3, 5 und 10 Jahre

HYP

100%

 

3 und 5 Jahre

HYP

< 100%

ja

3, 5 und 7 Jahre

HYP

< 100%

 

3 und 5 Jahre

SOD

Nicht wichtig

ja

3, 5, 7 und 10 Jahre

SOD

Nicht wichtig

 

3 und 10 Jahre

Für die Tableauanlage sind folgende Varianten möglich:

  1. 3 Jahre, ohne Auswahlbedingung (gültig für alle Darlehen)
  2. 5 Jahre, Produktart HYP als Auswahlbedingung
  3. 5 Jahre, Produktart SOD und Restkapital >500.000 als Auswahlbedingung
  4. 10 Jahre, Produktart SOD als Auswahlbedingung
  5. 10 Jahre, Produktart HYP, E/A-Satz von 100% und Restkapital >500.000 als Auswahlbedingung
  6. 7 Jahre, Produktart HYP, E/A-Satz < 100% und Restkapital >500.000 als Auswahlbedingung
  7. 7 Jahre, Produktart SOD und Restkapital >500.000 als Auswahlbedingung

Es wird nur bei der ersten Variante angenommen, daß die Konditionen für die Produktart SOD und HYP gleich sind. Sind sie ungleich, werden zwei Varianten für die dreijährige Periode benötigt.

Für die Konfiguration des Hauptordners müssen Sie als Hauptauswahlbedingung angeben, daß alle Darlehen mit einem Festschreibungsende zwischen dem heutigen Datum und demselben Datum +2 Monate selektiert werden sollen.

 

Die folgenden Abschnitte beschreiben das Anlegen, Ändern und Anzeigen von Tableaus für die Prolongation.

Prolongationstableau anlegen

Prolongationstableau ändern

Prolongationstableau anzeigen