Vollautomatisches Lager - Blackbox: Szenario 4 

Einsatzmöglichkeiten

Das Fremdsystem soll alle Lagerfunktionen ausführen und die gesamte Lagerverwaltung sowie Lagersteuerung für ein bestimmtes Lager übernehmen.

Grundsätzlich kommen die Szenarios 3, 4 und 5 in Verbindung mit einem automatischen Lager in Betracht. In diesem Abschnitt wird das vierte Szenario beschrieben. Soll in der Praxis eine Entscheidung über den Einsatz des WM im automatischen Lager getroffen werden, sollten Sie alle drei Szenarios berücksichtigen.

Bei einem Lagerkomplex mit vielen verschiedenen Lagern (aus SAP-Sicht sind es verschiedene Lagertypen) können in den einzelnen Lagern unterschiedliche Lagertechniken benutzt werden. Möglich wäre ein Lager mit mehreren manuellen und einem oder mehreren automatischen Lagertypen. Der automatische Lagertyp hat einen sehr hohen Automatisierungsgrad und ist in seiner Struktur und der verwendeten Lagertechnik sehr komplex. Die Verwaltung dieses Lagertyps ist direkt mit der Lagersteuerung verdrahtet, d.h. um eine Lagerbewegung zu definieren, werden direkt die Informationen über den aktuellen Zustand der Lagertechnik benötigt. In diesem Fall wäre mit einer sehr hohen Zahl an Kommunikationsvorgängen zwischen WM und dem Fremdsystem zu rechnen. Außerdem ist diese Kommunikation sehr zeitkritisch, d.h. bestimmte Ereignisse im Lagersteuerrechner führen dazu, daß die Lagerverwaltung direkt reagieren muß. Die asynchrone Schnittstelle, die momentan für die Kommunikation zwischen WM und Fremdsystem benutzt wird, eignet sich für solch ein dynamisches Lager nicht. Für die Verwaltung dieses Lagertyps ist es sinnvoller, ein System einzusetzen, das sowohl die Lagerverwaltung als auch die Steuerung in einem Software-Paket anbietet.

Da der automatische Lagertyp nur ein Teil des Lagerkomplexes darstellt und die meisten Lager manuell verwaltet werden, kann das WM für den gesamten Lagerkomplex eingesetzt werden. Das WM verwaltet den gesamten Lagerkomplex und verteilt die einzelnen Ein- und Auslagerungsvorgänge auf die einzelnen Lagertypen. In manuellen Lagern wird die gesamte Lagerverwaltung vom WM gesteuert. Das automatische Lager wird vom WM als ‘Blackbox’ betrachtet, d.h. das WM kennt in dem Lager keine Lagerplatzbestände.

Ablauf

Bei diesem Szenario werden vom WM folgende Funktionen für das automatische Lager übernommen:

Das Fremdsystem übernimmt die gesamte Lagerverwaltung und Lagersteuerung innerhalb dieses Lagertyps, u.a.:

Das automatische Lager wird im WM als ein bestimmter Lagertyp definiert. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie der Lagertyp vom WM verwaltet wird:

  1. Der Lagertyp ist mit einem festen Lagerplatz definiert (analog einem Schnittstellenlagertyp), und alle Bestände werden auf diesem Lagerplatz verwaltet.
  2. In dem Lagertyp werden mehrere Lagerplätze definiert, die aber nicht den physischen Lagerplätzen entsprechen. Die Zulagerung im Lager muß erlaubt sein, so daß ein Lagerplatz immer mit einem Material belegt wird. Dadurch werden die Bestände eines Materials auf einem Lagerplatz kumuliert; ein neues Material belegt immer einen neuen Lagerplatz. Diese Art der Verwaltung kann eingesetzt werden, falls Sie bei der Möglichkeit 1 Probleme mit der Lagerplatzsperre bekommen.

Der Lagerplatz in WM hat keine Bedeutung für das Fremdsystem.

Im folgenden Beispielen wird eine Möglichkeit der Funktionsverteilung zwischen WM und Fremdsystem für dieses Lager beschrieben:

WM:

Schnittstelle WM an Fremdsystem

Fremdsystem: :

Schnittstelle Fremdsystem an WM)

Schnittstelle Fremdsystem an WM

WM:

Das WM übernimmt die Kommunikation mit den anderen SAP-Anwendungskomponenten für den gesamten Lagerkomplex und somit auch für das automatische Lager. Bei einem Wareneingang wird das WM vom MM über eine anstehende Einlagerung informiert. Das WM erstellt für den Wareneingang einen Transportauftrag mit einer oder mehreren Positionen. Dabei wird das Ziel der Einlagerung bestimmt, d.h in welchen Lagertyp die einzelne Ware eingelagert werden soll. Wird das automatische Lager für die Einlagerung bestimmt, werden die betroffenen Transportauftragspositionen mit dem Standard-IDoc WMTOID01 an das Fremdsystem übergeben. Die weitere Verarbeitung des Einlagerungsvorgangs wird vom Fremdsystem übernommen. Die Identifikation der einzulagernden Ware erfolgt im Fremdsystem entweder über die versendeten Transportauftragsnummer und -Positionen oder über die Lagereinheitennummer. Diese Lagerbewegung muß nicht unbedingt an das WM zurückgemeldet werden.

Bei der Auslagerung bzw. Kommissionierung wird im WM der Umfang des Vorgangs bestimmt und ein oder mehrere Transportaufträge erstellt. Auch in diesem Fall können bei einem Kommissioniervorgang mehrere Lagertypen betroffen sein. Alle für das automatische Lager relevanten Transportauftragspositionen werden im WM aufbereitet und mit dem Standard-IDoc WMTOID01 an das Fremdsystem übergeben. Im Fremdsystem erfolgt die Entscheidung, aus welchem Lagerplatz die Ware optimal ausgelagert bzw. kommissioniert wird. Wird die Kommissionierung im Fremdsystem durchgeführt, sollte auch der Kommissioniervorgang an das WM zurückgemeldet werden. Die Rückmeldedaten müssen in Form des Standard-IDocs WMTCID01 auf der Fremdsystemseite aufgebaut und an das SAP-System versendet werden, damit die einzelnen Transportauftragspositionen mit den Istmengen im SAP-System quittiert werden können.

Werden Differenzen im Fremdsystem festgestellt, entweder durch eine Inventur oder im laufenden Betrieb, müssen sie unbedingt an das WM gemeldet werden. Für die einzelnen Differenzen eines Materials muß im Fremdsystem das Standard-IDoc WMTOID01 erzeugt und an das WM versendet werden. Im WM wird aus dem IDoc ein Transportauftrag erstellt, um die Differenz vom Lager auf eine Differenzenschnittstelle zu buchen.

Die lagerinternen Bewegungen müssen nicht an das WM versendet werden, da im WM nur der summarische Bestand verwaltet wird.